Tödliches Schwester-Virus : Ebola-ähnliches Marburg-Virus taucht in Uganda auf

In Uganda ist ein 30-Jähriger an den Folgen einer Infektion mit Marburg-Viren gestorben. Die Behörden haben zur Wachsamkeit aufgerufen.

Wie Ebola gehört auch das Marburg-Virus zu den fadenförmigen Filoviren. Foto: K. Brauburger, A. Hume, E. Mühlberger, J. Olejnik / Viruses 2012 10.3390/v4101878
Wie Ebola gehört auch das Marburg-Virus zu den fadenförmigen Filoviren.Foto: K. Brauburger, A. Hume, E. Mühlberger, J. Olejnik / Viruses 2012 10.3390/v4101878

In Uganda ist erneut das eng mit Ebola verwandte Marburgfieber aufgetaucht. Ein 30-jähriger Mann sei daran gestorben, 80 Kontaktpersonen stünden in Quarantäne unter Beobachtung, teilten die Behörden in Kampala mit. Die Bevölkerung sei zu größter Wachsamkeit aufgerufen, sagte die Direktorin des staatlichen Gesundheitsdienstes, Jane Aceng, am Montag. Das Gesundheitsministerium habe alle medizinische Notfallteams reaktiviert, die über Erfahrung bei der Bekämpfung von lebensgefährlichen Viruserkrankungen verfügen.

Nicht zu unterschätzen

Das Marburg-Virus gehört wie das Ebola-Virus zu den Filoviren, was übersetzt "fadenförmig" bedeutet, denn die Viren haben eine längliche Form. Die Erbsubstanz besteht aus RNS, nicht DNS wie bei menschlichen Zellen. Den Namen trägt das Virus, weil es erstmals 1967 bei einem Ausbruch in Marburg identifiziert wurde. Dort hatten sich Forscher und Laborassistenten mit dem Virus infiziert, weil sie im Marburger Labor des Pharmakonzerns Behringwerke mit Versuchsaffen gearbeitet hatten, der "Äthiopischen Grünmeerkatze" Cercopithecus aethiops. Die Tiere stammten aus Uganda. Insgesamt sieben Menschen starben damals, 24 hatten sich infiziert. Medikamente und Impfstoffe gibt es nicht, wobei einige in Entwicklung sind.

In der Regel verlaufen Marburg-Virus-Ausbrüche relativ glimpflich, mit wenigen Dutzend Infizierten und weniger als zehn Toten. Unterschätzt werden sollte es jedoch nicht: Den bisher größten Ausbruch einer Marburg-Virus-Epidemie registrierte die Weltgesundheitsorganisation WHO zwischen 2004 und 2005 in Angola. Dort wurden 388 Infizierte gemeldet, von denen 324 starben. Ähnlich wie bei der derzeitigen Ebola-Epidemie trug dort vermutlich das lokale Beerdigungsritual zur Verbreitung der Krankheit bei: Die Toten werden zum Abschied umarmt.

Uganda gilt allerdings bislang als ein Land, dessen Gesundheitssystem funktioniert und in dem Ebola- beziehungsweise Marburg-Virus-Ausbrüche schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten. Alles spricht dafür, dass das Land auch mit diesem Ausbruch professionell umgehen kann. Gefährlich könnte es nur werden, wenn in Uganda die Hilfskräfte fehlen - weil sie in den Ebola-Krisengebieten in Westafrika aushelfen. (skb/dpa)

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