TU Berlin wählt neuen Präsidenten : Physiker Thomsen setzt sich durch, Steinbach unterliegt

Die Technische Universität Berlin hat mit dem Physiker Christian Thomsen einen neuen Präsidenten gewählt. Bei der Wahl am Mittwoch unterlag ihm der Amtsinhaber Jörg Steinbach.

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TU-Präsident Christian Thomsen.
TU-Präsident Christian Thomsen.Foto: TU Berlin/David Ausserhofer

Die Technische Universität Berlin (TU) bekommt einen neuen Präsidenten. Der Erweiterte Akademische Senat (EAS) der Hochschule wählte am Mittwochnachmittag den Physiker Christian Thomsen, Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften. Unterlegen ist ihm der Amtsinhaber Jörg Steinbach, Chemiker und seit 2010 Präsident der TU Berlin. 40 Mitglieder des EAS stimmten für Thomsen, nur 12 für Steinbach, außerdem wurden neun ungültige Stimmen abgegeben. Thomsen nahm die Wahl an, als Erster gratulierte ihm Steinbach. "Ich bin überrascht über die Deutlichkeit des Ergebnisses, es ist offensichtlich gelungen, die Unterschiede herauszuarbeiten. Die Uni hat sich für meinen Kurs entschieden", sagte Thomsen in einer ersten Reaktion.

Der neue Präsident kennt die TU seit zwanzig Jahren. Seit 1994 ist Thomsen dort Professor für experimentelle Festkörperphysik. Zwischen 1997 und 1999 amtierte er bereits als Vizepräsident für Studium und Lehre. Seit 2003 leitet er als Dekan die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften. Er ist Gründungsdirektor des „Inno-Campus“, einem TU-Projekt zur Verbesserung der Lehre, und er hat eine Internetplattform ins Leben gerufen, über die Studierende online Experimente fernsteuern können.

Als Physiker forscht Thomsen an kleinsten Teilchen, wie an Nanoröhren aus Kohlenstoff oder an den Schwingungseigenschaften von Molekülen. Er hat aber auch große Überblickswerke geschrieben, etwa „Ein Jahr für die Physik“, das die wichtigsten Gebiete der klassischen Physik erklärt. Thomsen kann überhaupt auf eine umfangreiche Publikationsliste verweisen. Vor seiner TU-Zeit ist er in der Wissenschaft herumgekommen. Nach den ersten Studienjahren in Tübingen wechselte er an die renommierte Brown University in den USA, wo nach zwei Master-Abschlüssen auch promoviert wurde. Später forschte er an einem Max-Planck-Institut in Stuttgart und habilitierte sich an der TU München, bevor er schließlich nach Berlin kam.

Jörg Steinbach, der unterlegene Amtsinhaber.
Jörg Steinbach, der unterlegene Amtsinhaber.Foto: TU Berlin/Jacek Ruta

Vor der Wahl hatte sich Thomsen für einen Wandel in der Universitätskultur stark gemacht. Er wolle den Diskussionsstil in den Gremien und unter den Uni-Angehörigen verbessern und „Eigenengagement wieder attraktiv machen“. Eines seiner zentralen Vorhaben ist, die großen Probleme in der Verwaltung zu lösen. Thomsen verspricht Maßnahmen in der Personalentwicklung. In der Lehre setzt er sich für didaktische Reformen ein. Auch soll das Studium den Studierenden wieder mehr Wahlfreiheit erlauben. Auf einen neuen Kurs setzt er beim Thema Numerus Clausus: Die TU könne durchaus viele Studiengänge öffnen. Thomsen will die Fachgebiete der TU stärken und gleichzeitig die inter- und transdisziplinäre Forschung vorantreiben.

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