Überlebenskampf im Mutterleib : Gleicher Start für beide Geschlechter

51 zu 49: Menschen bringen etwas mehr Jungs als Mädchen zur Welt. Weil die beiden Geschlechter die Zeit im Mutterleib unterschiedlich gut überstehen.

Bei der Empfängnis ist das Geschlechterverhältnis noch ausgeglichen. Erst zur Geburt haben Jungs die Nase vorn.
Bei der Empfängnis ist das Geschlechterverhältnis noch ausgeglichen. Erst zur Geburt haben Jungs die Nase vorn.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Weltweit werden etwas mehr Jungen als Mädchen geboren. Zum Zeitpunkt der Empfängnis ist das Verhältnis der Geschlechter allerdings gleich, berichten Forscher im Fachblatt „PNAS“. Das Ungleichgewicht bei der Geburt beruhe darauf, dass im Verlauf der Schwangerschaft mehr Mädchen sterben als Jungen.

17571 mehr Jungs als Mädchen

Dass das Geschlechterverhältnis bei der Geburt nicht gleich ist, ist lange bekannt. In Deutschland kamen etwa im Jahr 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamt 349 820 Jungen (51 Prozent) und 332 249 Mädchen (49 Prozent) zur Welt. Bislang gingen Biologen davon aus, dass bereits bei der Empfängnis mehr Schwangerschaften mit Jungen entstehen als mit Mädchen. Das Forscherteam um Steven Hecht Orzack vom Fresh Pond Forschungsinstitut in Cambridge kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. Orzack sammelte Daten zu Fehlgeburten und Abtreibungen, Fruchtwasseruntersuchungen, Lebend- und Totgeburten und Embryos aus künstlichen Befruchtungen und konnte so die Geschlechterverteilung vom dritten Tag nach der Empfängnis bis zur Geburt verfolgen.

Die Auswertung ergab, dass zunächst genauso viele männliche wie weibliche Schwangerschaften entstehen. Allerdings seien männliche Embryos genetisch auffälliger, so dass in der ersten Woche nach der Befruchtung mehr männliche Embryos abgingen. In den nächsten zehn bis 15 Wochen übersteige dann die Zahl der weiblichen Abgänge die der männlichen, bis gegen Ende der Schwangerschaft wieder etwas mehr Jungen stürben als Mädchen. Insgesamt überleben mehr männliche Embryos die Schwangerschaft, was zu der leicht höheren männlichen Geburtenrate führe.

Mädchen überstehen Hungerphasen besser

Bereits 2014 hatten Forscher der Universität Exeter im Fachmagazin „BMC Medicine“ berichtet, dass späte Fehlgeburten bei Jungen um rund zehn Prozent häufiger vorkommen als bei Mädchen. Allerdings scheinen auch Umweltbedingungen das Geschlechterverhältnis zu beeinflussen. Shige Song von der New Yorker City University fand 2013 heraus, dass in Hungerphasen mehr Mädchen als Jungen geboren werden. Der Forscher hatte die Daten zu Neugeborenen analysiert, die während und nach der großen Hungersnot in China zwischen 1959 und 1961 zur Welt kamen. Warum in schlechten Zeiten mehr Mädchen geboren werden, sei unklar, schrieb Song. Es gebe aber die Theorie, dass weibliche Embryonen „anspruchsloser“ sind. (dpa)

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