Weiche Diplomatie mit dem DAAD : "Demokratie für die Ukraine" - und für Russland

Der Deutsche Akademische Austauschdienst will verstärkt auf "weiche Diplomatie" setzen - etwa im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland.

Josta van Bockxmeer
Russlands Präsident Vladimir Putin im Gespräch mit Studierenden. Foto: AFP
Im Gespräch bleiben. Der DAAD will in der ehemaligen Sowjetunion zum Ausbau der Zivilgesellschaft beitragen.Foto: AFP

„Sehr unterschiedliche Vorstellungen von Demokratie“, bescheinigt Margret Wintermantel, die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Partnerländern am östlichen Rand Europas. Deutlich werde das aktuell angesichts des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, sagte Wintermantel am Mittwoch nach der DAAD-Mitgliederversammlung in Berlin. Der akademische Austausch könne jedoch als ein Mittel der weichen Diplomatie „etwas leisten, was die Politik nicht kann“. Insbesondere in Russland und der Ukraine, aber auch in anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion wolle der DAAD künftig verstärkt zum Ausbau der Zivilgesellschaft beitragen.

Das Programm „Demokratie für die Ukraine“ wird mit rund 350 000 Euro pro Jahr vom Auswärtigen Amt gefördert. Das Geld fließt in die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ukrainischen Hochschulen, die gemeinsam Workshops, Studienreisen oder Sommerschulen veranstalten. An der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität in Moskau und der Uni Freiburg beginnt in diesem Jahr ein internationales Graduiertenkolleg zu deutsch-russischen Kontakten. Die Reform und die finanzielle Stärkung des russischen Hochschulsystems biete große Chancen für neue Hochschulkooperationen, hieß es.

Eine Bildungsoffensive für Subsahara-Afrika

Die zuletzt positive wirtschaftliche Entwicklung in Subsahara-Afrika sieht der DAAD dagegen durch einen Bildungsnotstand gefährdet. Wintermantel rief zu einer Bildungsoffensive für die Region auf. Der DAAD wolle sich dabei vor allem auf die Graduiertenausbildung konzentrieren. Afrikanische Stipendiaten würden bei Rückkehr in ihr Herkunftsland kaum Anschluss an die Forschung finden. Jetzt sollen Hochschulpartnerschaften oder spezialisierte Fachzentren wie das Tansanisch-Deutsche Fachzentrum für Rechtswissenschaft in Dar es Salaam gefördert werden. Problematisch sei auch der Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal an den Universitäten. Bis 2020 werde der DAAD mit Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums an deutschen Universitäten und an ausgewählten Universitäten in Afrika 1000 Hochschullehrer ausbilden, kündigte Wintermantel an.

Der DAAD ist auch in den Iran zurückgekehrt

Erneute Präsenz zeigt der DAAD im Iran. Infolge der Wahl des neuen Präsidenten Hassan Rohani öffnet sich das Land vorsichtig, und 2013 durften zwei Lektoren sowie eine Sprachassistentin einreisen. Das Informationszentrum in Teheran wurde im April wiedereröffnet.

Wintermantel kritisierte Mittelkürzungen, die das Auswärtige Amt im vergangenen Jahr angekündigt hatte. Jetzt müssten die Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag eingelöst werden. Immerhin habe sich die Bundesregierung vorgenommen, die Zahl der ausländischen Studierenden von 273 000 im Jahr 2011 bis 2020 auf 350 000 zu erhöhen.

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