• Will Lenzen Hamburgs Uni verlassen? Präsident könnte als Chef der Rektoren kandidieren

Wissen : Will Lenzen Hamburgs Uni verlassen? Präsident könnte als Chef der Rektoren kandidieren

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Auf der Homepage der Universität Hamburg steht unter dem Namen des Präsidenten Dieter Lenzen „Amtszeit 1. März 2010 – 29. Februar 2016“. Ein ungewöhnliches Statement, das Stadt und Hochschule offenbar Kontinuität signalisieren soll. Doch zwei Jahre nachdem er überraschend die Präsidentschaft der Freien Universität Berlin (FU) aufgab, um in Hamburg anzutreten, deutet einiges darauf hin, dass Lenzen seine neue Alma Mater deutlich früher wieder verlassen könnte.

Lenzen wolle nun Präsident der Hochschulrektorenkonferenz werden, ist aus Hochschulkreisen zu hören. Im April oder September kommenden Jahres könnte er die Nachfolge von Margret Wintermantel antreten, die zum Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wechselt. Auf Anfrage sagte Lenzen dem Tagesspiegel: „Ich kann mich nicht dazu äußern.“

Gewählt wird bei der HRK, die ihren Sitz in Bonn hat, am 24. April 2012. Ob der Neue sofort antritt, hänge von seiner vertraglichen Bindung ab, ist zu hören. Vizepräsident der HRK für Internationales ist Lenzen bereits seit 2007.

Sollte er in Hamburg von Bord gehen, dürfte das die Hansestadt schwer treffen. Bei der Wahl im November 2009 war Lenzen als Lichtgestalt angetreten. Ein halbes Jahr zuvor war die Physikerin Monika Auweter-Kurtz nach zweieinhalb glücklosen Jahren aus dem Amt gedrängt worden. In der Bewerbungszeit lobte Lenzen in hohen Tönen das Potenzial der Uni Hamburg zur Internationalisierung – das Muster, mit dem er die FU 2007 in der Exzellenzinitiative zum Erfolg führte. Doch mit dem Hamburger Zukunftskonzept und weiteren Anträgen in der zweiten Wettbewerbsrunde scheiterte die Universität im März dieses Jahres. Verantwortlich machte Lenzen dafür die mangelhafte Finanzierung der Wissenschaft durch den Senat, die er von Anfang an beklagt hatte. Aus Berlin hatten ihm nach eigenem Bekunden von Rot-Rot auferlegte Sparzwänge vertrieben. In Hamburg ärgerten ihn nicht eingehaltene Zusagen des schwarz-grünen Hamburger Senats, dann Sparpläne der neuen SPD-Regierung. Lenzen führte eine stadtweite Kampagne dagegen an, drohte, das Angebot der Uni von sich aus kürzen, bis hin zur Absage an das Deutschlandstipendium.

Zuletzt schien er Erfolg zu haben. Der Senat schloss kürzlich mit der Uni Hamburg als erster Landeshochschule eine „verlässliche Hochschulfinanzierung bis 2020“ mit leichten Zuwächsen. Doch Lenzen feierte dies nicht als Triumph, sondern betonte, die Mittel reichten nicht aus, um seine Hochschule auf Augenhöhe mit anderen großen deutschen Universitäten zu bringen.

Wie stehen Lenzens Chancen in der HRK? An Deutschlands Hochschulen gibt es wohl kaum jemanden, der ihm den Job nicht auch zutrauen würde. Lenzen ist durchsetzungsstark und könnte die Institution und ihre Schützlinge überzeugend vertreten. Bedenken gegen Lenzen soll es bei den Fachhochschulen geben, die sich von ihm nicht übermäßig geschätzt fühlen. Sie sollen auf den Politikwissenschaftler Klaus Dicke setzen, Rektor in Jena und Sprecher der Gruppe der Universitäten in der HRK. Amory Burchard

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