Berlin : 31. Oktober 1989

Vor 15 Jahren wurde Karl-Eduard von Schnitzler seinen Job los

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Schwarzer Kanal dicht. Gestern abend hat KarlEduard von Schnitzler selber die Einstellung der Sendung „Schwarzer Kanal“ im DDR-Fernsehen bekanntgegeben. Von Schnitzler verband dies mit der Feststellung, daß dies nichts an seiner eigenen „klassenkämpferischen“ Einstellung gegen den Kapitalismus und seinem Respekt für die „größten Leistungen eines sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ ändere.

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Walter Janka geehrt. Im Deutschen Theater in Ost-Berlin ist am Sonnabend abend der frühere Leiter des Aufbau-Verlages, Walter Janka, der 1957 in der DDR Opfer eines Schauprozesses wurde, von mehreren hundert prominenten Vertretern des kulturellen Lebens in der DDR geehrt worden. Sie nahmen an einer Lesung aus Werken des Kommunisten Janka teil. Dessen Autobiographie „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ ist in der DDR noch nicht erschienen.

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Alle entschuldigen sich. Ein historischer Augenblick für die „Hauptstadt der DDR“: Hohe Funktionäre der SED entschuldigen sich vor einer Menge von 15000 Ost-Berliner Bürgern für Fehler der Vergangenheit. Auf den Stufen des Roten Rathauses äußert Polizeipräsident Friedhelm Rausch „tiefes Bedauern“ über die Übergriffe der Staatsmacht während der Demonstrationen vom 7. Oktober. Hermann Kant, Präsident des Schriftstellerverbandes der DDR, räumt seine Mitschuld an Ausschluß und Diffamierung unbequemer Literaten ein. Oberbürgermeister Erhard Krack bittet bei den Frauen in der DDR um Verzeihung für gesellschaftliche Benachteiligung.

Anlaß für die offiziellen Demutsgesten sind die ersten „Berliner Sonntagsgespräche“. Krack hat die Bevölkerung in der „Berliner Zeitung“ (…) ins Rote Rathaus eingeladen, um unter dem Motto „Offene Türen – Offene Worte“ den vielbeschworenen gesellschaftlichen Dialog in einer Art Feldversuch zu erproben. Schon morgens um halb neun wird jedoch klar, daß wohl kein Saal des Gebäudes groß genug sein wird, um die herbeiströmenden Menschenmassen aufzunehmen.

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