350 Millionen Euro : Früherer Güterbahnhof soll zu Einkaufszentrum werden

Zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf soll ein neues Einkaufszentrum entstehen. Doch die Pankower sollen auf dem früheren Bahnhof mehr als nur shoppen können.

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Eisenbahn weg, Handel her. Auf dem brachliegenden Gelände des Pankower Rangierbahnhofs soll ein Einkaufszentrum entstehen.
Eisenbahn weg, Handel her. Auf dem brachliegenden Gelände des Pankower Rangierbahnhofs soll ein Einkaufszentrum entstehen.Simulation: promo

Die lang gezogene Brache zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf lädt die seltenen Besucher bislang eher zum Wegschauen als zum Träumen ein. Mit anderen Augen betrachtet der Investor Kurt Krieger das Gelände, als Eigentümer von Höffner der zweitgrößte Möbelverkäufer Deutschlands nach Ikea. Ausgerechnet auf diesem drögen Seitenstreifen der Industrie-Geschichte will er sein Projekt Pankower Tor realisieren. Schon die Zahlen versprechen einiges: 350 Millionen Euro Investitionssumme für das 40 Hektar große Gelände, ein Einkaufszentrum mit 30 000 und ein Möbelhaus mit 40 000 Quadratmetern Verkaufsfläche, 1370 neue Bäume, 1000 neue Arbeitsplätze und ein fünf Hektar großer Park. In maximal zehn Jahren soll alles fertig sein – Pankow würde sich maßgeblich wandeln.

Anfang 2010 hatte Krieger das Gebiet um den ehemaligen Rangierbahnhof von der Aurelis erworben, die sich lange mit dem Bezirk um die richtige Nutzung gestritten hatte. Auch Krieger konnte die Politiker nicht sofort überzeugen, der aktuelle Entwurf ist bereits die Nummer 19 in diesem Jahr. Nun folgte die Trendwende. „Es ist ein sinnvolles Gesamtkonzept mit einem guten Nutzungsmix, die Aurelis wollte die Fläche zerstückeln“, sagt Roland Schröder, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung bei der SPD. Auch die Linke in Pankow zeigt sich aufgeschlossen. „Wir haben einen wachsenden Bezirk, der in einem Wettbewerb mit anderen Bezirken und dem Umland steht, wir brauchen die Investitionen“, sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Wolfram Kempe. CDU und die FDP können mit Kriegers Plänen ebenfalls gut leben, einzig die Grünen sprechen sich gegen das Projekt aus. Vor allem das geplante Einkaufszentrum missfällt dem Bezirksverordneten Cornelius Bechtler: „Es ist eine vollkommen unausgegorene Planung und eine Gefahr für das Pankower Zentrum. Wir sind ja bereit, mit Herrn Krieger zu arbeiten, aber so sind die Pläne gar nicht genehmigungsfähig.“ Ähnlich kritisch äußert sich auch Rolf-Siegfried Plasa, Centermanager der Schönhauser Allee Arcaden: „Für den Bezirk ist es ein Gewinn, aber ob es in dieser Größenordnung sein muss?“

Als wichtigsten Faktor gegen das Projekt sehen sowohl Befürworter als auch Gegner den Senat, denn nach dem Bezirk muss auch die noch unwillige Landesregierung zustimmen – ob also wie geplant gebaut werden kann, ist noch offen.

Kurt Krieger will auf friedliche Kooperation statt auf Konfrontation setzen: „Wir werden über das gesetzlich Notwendige hinaus die Bürger einbinden, sie mit einer Infobox informieren und einladen, eigene Ideen einzubringen.“ Neben finanziellen Aspekten führt Krieger auch persönliche Gründe für sein Engagement ins weite Pankower Feld, er ist in der Nähe aufgewachsen und fühlt sich nach eigener Auskunft seiner Heimat verbunden. Außer in Pankow soll auch auf dem alten Rangierbahnhof Grunewald in Wilmersdorf eine neue Höffner-Filiale entstehen, der ungünstig gelegene Markt an der Pankstraße im Wedding dafür weichen.

Die Fläche nördlich der Prenzlauer Promenade, die Krieger noch nicht erworben, aber per Option dazukaufen kann, hat mit dem Rundlokschuppen eine denkmalgeschützte Ruine. Krieger will sie für fünf Millionen Euro sanieren, dort schwebt ihm eine kulturelle Nutzung vor. „Vielleicht machen wir dort die Oper von Pankow“, sagt Krieger scherzhaft in seinem breiten Berlin-Dialekt.

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