50 Jahre Kennedy-Besuch : Die Farben des Präsidenten

Im kollektiven Gedächtnis Berlins lebt der Besuch John F. Kennedys von 1963 fort - in Schwarzweiß. Der Tagesspiegel zeigt nun das Treiben in Bunt – mit Fotos von Rolf Goetze aus dem Stadtmuseum.

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50 Jahre ist es her, dass John F. Kennedy den historischen Satz "Ich bin ein Berliner" auf dem Balkon des Rathaus Schönebergs, dem damaligen Sitz des Regierenden Bürgermeisters, sprach.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Rolf Goetze/Stadtmuseum Berlin
26.06.2013 08:5750 Jahre ist es her, dass John F. Kennedy den historischen Satz "Ich bin ein Berliner" auf dem Balkon des Rathaus Schönebergs, dem...

Man hat es schon immer geahnt: Auch der Teppich, der vor 50 Jahren auf dem Flughafen Tegel zur Begrüßung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy ausgerollt wurde, war rot. Allerdings, bezeugen konnte das kaum jemand, nur wenige hatten den Teppich mit eigenen Augen gesehen. Und Farbfernsehen gab es 1963 in Deutschland noch nicht, die Pressefotografen verzichteten ebenfalls auf Farbe: Zeitungen waren noch nicht bunt. So hat sich der 26. Juni 1963 trotz allem Glanz im kollektiven Gedächtnis der Stadt doch als ein Tag in Schwarzweiß festgesetzt. Wie strahlend Kennedys Lächeln auch gewesen sein mochte, optisch stellte es sich als eine Ansammlung von abgestuften Grautönen dar.

Doch nun das: ein Teppich in sattem Rot, ein strahlend blauer Himmel, Flaggen in Schwarz-Rot-Gold und BlauWeiß-Rot, auch die Menschenmassen am Wegesrand ein buntes Gewimmel, am Breitscheidplatz, am Rathaus Schöneberg, am Brandenburger Tor – und vor allem: Kennedy in Farbe. Die überraschende, das optische Gedächtnis korrigierende Farbfülle ist dem fotografischen Fleiß des Berliner Journalisten Rolf Goetze zu verdanken, der von 1957 bis 1977 das Leben in der geteilten Stadt, in West wie Ost, ausführlich mit seiner Kamera dokumentiert hatte. 125 Zigarrenkisten, gefüllt mit etwa 24 000 Farb-Dias, hat er hinterlassen, ein in seinem Reichtum erst in Ansätzen erschlossener Bilderschatz, den das Stadtmuseum Berlin hütet und allmählich aufarbeitet.

Auch Kennedys Deutschland-Besuch 1963 findet sich in den Holzkisten, den Goetze, wohl aufgrund guter Kontakte zu Bundeskanzler Konrad Adenauer, begleiten durfte. Etwa 40 Fotos werden beim Festakt am Mittwoch im Rathaus Schöneberg gezeigt, sechs Aufnahmen von der Berliner Firma Time Tunnel Images als hochwertige Fotodrucke zum Kauf angeboten. Ein Foto zeigt eine Gruppe von Polizisten, die sich gegen den Ansturm der begeisterten Berliner stemmen.

Kennedy in Berlin
50 Jahre ist es her, dass John F. Kennedy den historischen Satz "Ich bin ein Berliner" auf dem Balkon des Rathaus Schönebergs, dem damaligen Sitz des Regierenden Bürgermeisters, sprach.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Rolf Goetze/Stadtmuseum Berlin
26.06.2013 08:5750 Jahre ist es her, dass John F. Kennedy den historischen Satz "Ich bin ein Berliner" auf dem Balkon des Rathaus Schönebergs, dem...

Rolf Goetze wurde am 2. Januar 1921 in Berlin geboren und absolvierte ab 1939 eine Ausbildung zum Regie- und Kameraassistenten bei den Döring-Film-Werken in Berlin, einer in Hannover gegründeten, 1934 in die Reichshauptstadt gewechselten Produktionsfirma für Kultur- und Werbefilme. 1942/43 diente er in der Wehrmacht als Filmberichterstatter, kam im September 1944 nach der Belagerung der Hafenstadt Brest in amerikanische Kriegsgefangenschaft und durchlief für die nächsten zwei Jahre mehrere Lager. Dort leitete er eine Theatergruppe, betreute auch als Sprecher und Programmdirektor den Lagerfunk – für seine spätere berufliche Laufbahn ein Glücksfall.

Zurück in Berlin dolmetschte er für die Dependents School in Dahlem, wechselte bald darauf zum Rias, wo er bis 1971 als Dramaturg, Hörspiel- und Feature-Autor blieb – als Berlin-Kenner eine Institution, der Hörern auf Anfragen keine Antwort schuldig blieb und auch in Zeitungen, darunter dem Tagesspiegel, zu Berlin-Themen schrieb. Nach der Rundfunkzeit wechselte Goetze als Programmdirektor zur Urania, der er schon lange durch Lichtbildvorträge verbunden war.

Im Zusammenhang mit den Berlin-Vorträgen Goetzes, der 1988 in Celle starb, sind auch seine Kennedy-Fotos zu sehen. Er hatte sie zum eigenen Gebrauch angefertigt, sie sind daher der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben. Das 50. Jubiläum des Kennedy-Besuchs ist ein hervorragender Termin, um das zu ändern.

Das Stadtmuseum sucht weiterhin Informationen über Rolf Goetze. Wer ihn gekannt hat oder sonst etwas über ihn weiß, kann dies unter presse@stadtmuseum.de mitteilen. Bilder der Serien zum Kennedy-Besuch werden ab Ende Juli unter www.stadtmuseum.de zugänglich sein. Die limitierte Edition von sechs Fotos wird von Time Tunnel Images einzeln (je nach Aufmachung zwischen 228 und 328 Euro) oder als Fünfer-Gruppe (zwischen 898 und 1298 Euro) angeboten). Näheres unter www.time-tunnel-images.de

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