52 Jahre nach dem Mauerbau : Ein Wachturm für den Garten

Am 13. August 1961 wurde die Mauer gebaut, eine Nation geteilt und dann fiel sie. Die Mauer ist teilweise erhalten - als Kunstobjekt. Der größte Teil ist allerdings verschwunden, ihre Reste werden für viel Geld im Internet angeboten.

Kristina Wollseifen
Fast wie in alten Zeiten. Dieses Beispiel der DDR-Baukunst kann man übers Internet für 3000 Euro erwerben.
Fast wie in alten Zeiten. Dieses Beispiel der DDR-Baukunst kann man übers Internet für 3000 Euro erwerben.Foto: Promo

Das Produkt, das Michael Altmann verkaufen möchte, ist 15 Meter hoch, 1,50 Meter breit und ebenso lang. „Ganz genau weiß ich das selbst nicht mehr, ich habe ihn auch länger nicht mehr gesehen“, sagt der Berliner Geschäftsmann, der sich auf den Handel mit DDR-Souvenirs spezialisiert hat. Das von ihm angebotene Monstrum ist ein kompletter DDR-Wachturm, einer von dreien, die er vor einigen Jahren aus einer Treuhandliegenschaft erworben hat. Für 3000 Euro bietet er den „Original Wachturm Berliner Mauer“ zum Sofortkauf bei Ebay an. Momentan gibt es 137 Interessenten, die das Angebot beobachten. „Es gibt immer mal wieder Kaufanfragen, aber die kommen kaum von Privatleuten“, sagt der 46-Jährige. „Viele potenzielle Kunden springen wieder ab, weil ihnen der Aufwand und die Kosten zu hoch sind.“ Die anderen beiden Türme gingen deswegen auch an die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße und ans Mauermuseum am Checkpoint Charlie.

Der Wachturm "Typ Grenzturm" steht in Storkow

Der Wachturm, der noch zu haben ist und den Altmann als „Typ Grenzturm“ charakterisiert, steht in Storkow. Seit mehr als fünf Jahren gehört er ihm. Vermutlich sei das Bauwerk nie versetzt worden, sagt Altmann. Also war der Turm auch nie Teil der Berliner Mauer oder hat auch nur in Grenznähe gestanden. Er diente vielmehr einer NVA-Kaserne in Storkow als Sicherungsturm. Allerdings habe er dieselbe Bauweise wie die Grenztürme, versichert der Händler.

Der Mauerbau - Als Berlin geteilt wurde
Arbeiter erhöhen im August 1961 die ersten Sperren an der Bernauer Straße.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto:Günter Bratke/dpa
13.08.2013 11:35Arbeiter erhöhen im August 1961 die ersten Sperren an der Bernauer Straße.

„Von außen ist der Turm sehr gut erhalten“, erklärt er. „Aber von innen ist er das nicht mehr, die Scheiben sind eingeschmissen.“ Die Sanierungsarbeiten machen wahrscheinlich noch den kleinsten Teil der Kosten aus. Zum Kaufpreis kommt der Transport hinzu, der nach Altmanns Schätzung 5000 Euro zusätzlich kostet. Neben einem passenden Fahrzeug wird nämlich auch ein großer Kran benötigt, der den Turm in seine 13 Einzelteile zerlegen kann. Und dann müssen diese am Bestimmungsort mithilfe des Krans wieder zusammengesteckt werden. Mit Sicherheit brauche man dafür auch eine Baugenehmigung, sagt Altmann. „Das alles ist schon sehr teuer.“

3,60 Meter hohe Mauerteile

Noch teurer kann es werden, wenn man sich ein Stück Mauer nach Hause holen will. Auf Ebay verlangt ein Anbieter aus Berlin für zwei besprayte Mauersegmente je 7000 und 10 000 Euro, und bis zu 12 000 Euro kosten die von Künstlern neu gestalteten Mauerteile in einem Souvenir-Webshop. Altmann verlangt für seine Mauersegmente 500 Euro – für ihn nur ein Nebengeschäft. Meist interessierten sich dafür Filmausstatter und Künstler. Altmann erinnert sich aber noch an einen Kunden, der gleich fünf der 3,60 Meter hohen Mauerteile gekauft hat. Er wollte sie für seinen Garten.

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