Berlin : Abdrehen vor dem Müggelsee

Flugsicherung soll sich am Montag zu den Routenvorschlägen im Südosten erklären Die Fluglärmkommission tagt das erste Mal nach der Sommerpause

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Foto: Mike Wolff
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Berlin/Schönefeld - Wochenlang haben die Friedrichshagener, unterstützt von Initiativen auch aus dem Westteil der Stadt, gegen die vorgesehenen Flugrouten über den Müggelsee protestiert – am Montag wird sich zeigen, ob sie Erfolg hatten. Auf der ersten Sitzung der Fluglärmkommission nach der Sommerpause soll die Deutsche Flugsicherung (DFS) nicht nur mitteilen, wie weit die Abstimmung mit dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung zu den Routenvorschlägen vom 4. Juli vorangekommen sind, sondern auch erklären, ob die nachträglich vorgeschlagenen Alternativen, die ein Überqueren des Müggelsees verhindern, geflogen werden können.

Die vom neu gewählten Treptow-Köpenicker CDU-Abgeordneten Niels Korte, der Friedrichshagener Bürgerinitiative sowie dem Verkehrspiloten Sascha Schönrock entwickelte Route ist nach Beratungen mit der DFS von Klaus-Dieter Scheurle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, befürwortet worden. Das Konzept sieht bei Starts von der Nordbahn des neuen Flughafens in Schönefeld Richtung Osten für die von der DFS über Müggelsee und Erkner geplanten Flüge vor, noch vor Müggelheim nach Süden abzudrehen und an den Gosener Wiesen, an Gosen sowie Neu-Zittau vorbeizufliegen. Damit würden die bisher vorgesehenen Flugrouten über Müggelsee und Müggelheim entfallen. Allerdings könnten dann von der südlichen Startbahn keine Geradeausflüge Richtung Osten mehr stattfinden, weil die Routen sich dann kreuzen würden. Deshalb müssten die dort bisher vorgesehenen elf Flüge am Tag mit einem Ziel im Osten auf die Nordbahn verlegt werden. Von der Südbahn würden nur Maschinen starten, die Kurs gen Süden oder Westen nehmen. Flugzeuge starten – und landen – grundsätzlich gegen den Wind. Aus Osten bläst er an rund 100 Tagen im Jahr.

Zudem soll laut Alternativkonzept die Höhe der Flugroutenfreigabe geändert werden. Wie beim für den Berliner Südwesten gefundenen Kompromiss sollen die Piloten bis zu einer Steighöhe von 5000 Fuß (1500 Meter) zum Einhalten der vorgegebenen Route verpflichtet werden. Zudem sollen sie bis zu einer Höhe von 8000 Fuß (2500 Meter) kein bewohntes Gebiet überfliegen. Bisher ist für das Überqueren des Naturschutzgebiets um den Müggelsee lediglich eine Mindesthöhe von 3500 Fuß (rund ein Kilometer) vorgesehen.

Mit dem Vorschlag würden die Piloten beim Start von der Nordbahn erst weit in Richtung des östlichen Autobahnrings abbiegen. Dadurch wäre nicht nur frühes Überfliegen von Friedrichshagen, Rahnsdorf und Müggelheim verhindert – es würden auch die Brandenburger Gemeinden, besonders Erkner, vom Lärm der nach Osten startenden Flugzeuge entlastet.

Im Berliner Südwesten hatten die dortigen Initiativen, ebenfalls nach intensiven Gesprächen mit Scheurle, erreicht, dass die Flugsicherung ihre Pläne so geändert hat, dass die Mehrzahl der einstigen Kritiker jetzt zufrieden ist. Maßgeblich beteiligt war der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann. Wie damals wurde auch der neue Vorschlag für den Bereich um Friedrichshagen vom Steglitz-Zehlendorfer Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) in die Fluglärmkommission eingebracht – mit der Hoffnung, ein zweites Mal erfolgreich zu sein.

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