Berlin : Abgefahren – eine Skihalle für Berlin

Vier Betreiber planen eine Schneearena in der Stadt. Es wird aber wohl nur eine geben

Annette Kögel

Bei den geplanten Riesenrädern in Berlin streiten derzeit zwei Konkurrenten ums Geschäft – bei Skihallen sind es gleich vier Bewerber an vier Standorten. Bislang waren die Pläne für solch einen riesigen überdachten Winterzauber im Wissenschaftspark Adlershof bekannt. Doch auch auf dem Schindler-Gelände an der Ringstraße in Mariendorf soll eine Ski- und Schwimmhalle entstehen: Dort will die Mariendorfer Polaris Development nicht nur eine Indoor-Kunstschneepiste bauen, sondern gleich noch einen „Aquadome“ mit Innen- und Außenbecken samt Strandlandschaft errichten. Auch für Spandau sowie den Norden der Stadt sollen Skihallen-Pläne existieren.

In Europa gibt es schon mehr als 20 Kunstschneehallen, in Deutschland werden sie etwa in Neuss und Bottrop betrieben. In Bispingen südlich von Hamburg wurde gerade eine neue Anlage eröffnet, in 14 Tagen kommt eine zweite Skihalle bei Wittenburg westlich der Hansestadt dazu. Dass sich aber in Hamburg wie in Berlin keine zwei Hallen rentieren, weiß auch Peter Wunderlich, Koordinator des ursprünglich auf 60-Millionen-Euro veranschlagten Freizeitsport-Projekts in Adlershof zwischen Großberliner Damm und S-Bahnhof mit Snowboardschule, Almhütten, Bowling, Geschäften, Reisebüros und Hotel. Der Vorvertrag mit dem Wissenschaftspark Adlershof wurde vor eineinhalb Jahren unterzeichnet, sagt Wunderlich. Der bezirkliche Bauaufsichts-Chef, Bernd Ziemann, sagte, es gebe die Stimmungslage im Bezirksamt, dass man sich das Projekt wünscht, es liege aber kein Bauantrag vor.

Der Adlershofer Skihallen-Initiator Peter Wunderlich arbeitet bereits mit den Betreibern von „Snowtropolis“ zusammen – diese Indoor-Skihalle mit Ferienhäusern wurde vor Jahren im brandenburgischen Senftenberg eröffnet. Dem Unternehmer gehört in Berlin das Restaurant Lindenbräu im Sony-Center sowie das Hopfingerbräu im Hauptbahnhof. „Unsere Financiers haben jetzt allerdings eines der Projekte in Hamburg gestemmt, weswegen sie sich aus Berlin zurückzogen.“ Wunderlich will sich heute mit Konkurrenten zusammensetzen, die Ähnliches in Spandau planen. Im Stadtplanungsamt hieß es, „es kommen immer mal wieder Anfragen“, ein Antrag liege nicht vor.

Bei der Polaris Development ist man nicht besonders glücklich darüber, dass die Pläne für das Riesenprojekt in Mariendorf schon bekannt wurden. „Wir verhandeln noch, deswegen möchte ich nichts Genaues sagen“, sagt Geschäftsführer Rudolf Gowik. Anfang Dezember soll das Polaris-Projekt präsentiert werden. Geplant sind auch Gastronomie, Schanze, Lifte, Tagungszentrum, Filmstudios. Die zuständige Stadträtin, Elisabeth Ziemer (Grüne) kennt die Pläne, hält aber grundlegende Dinge wie den Sicherheitsabstand zu den Gasbehältern der Gasag, die Verkehrsanbindung und Auswirkungen für Wohn- und Industriegebiete für ungelöst. „Nach der Seveso-Richtlinie kann so, wie jetzt geplant, gar nicht gebaut werden.“

Bislang haben sich Pläne für Skihallen aufgelöst wie Morgennebel im Alpental. Weder am Sachsendamm in Schöneberg, noch an der Grenzallee in Neukölln, noch in Königs Wusterhausen gingen die Pläne über das Reißbrett-Stadium hinaus. „Es ist aber sicher: Berlin bekommt eine Skihalle, es ist nur noch die Frage, wo“, meint Wunderlich.

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