Abgeordnetenhaus : Handfester Streit zwischen zwei Piraten

Ukrainische Verhältnisse im Berliner Parlament? Mit diesem Vorwurf hat der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier wohl ein bisschen übertrieben. Doch es gab handfesten Streit im Berliner Abgeordnetenhaus.

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Tatsache ist, dass der Pirat Alexander Morlang seinen Fraktionskollegen und Banknachbarn Philipp Magalski in der Sitzung des Landesparlaments am 21. März handgreiflich bedrohte – ein Vorfall, der jetzt erst publik wurde. Zweimal holte Morlang aus, klatschte die Hände wenige Zentimeter vor der Nase des Parteifreunds zusammen und schimpfte höchst erregt auf ihn ein. Magalski keilte laut zurück.

Der handfeste Streit blieb nicht unbemerkt. Die Vize-Parlamentspräsidentin Anja Schillhaneck (Grüne) unterbrach kurz die Plenarsitzung und fragte irritiert: „Haben die Herrschaften ein Problem?“ Der Fraktionsgeschäftsführer der Piraten, Heiko Herberg, rief laut: „Ja!“ Anschließend brachte er den Kollegen Morlang vor die Tür, damit er sich wieder abregen konnte. Vorher rief der CDU-Mann Robbin Juhnke noch dazwischen: „Es ist Zeit für die Medikamente!“ Aber das brachte ihm einen Verweis der Vize-Präsidentin ein.

Derweil amüsierten sich die jungen Wilden in der SPD-Fraktion. „Die hauen sich gerade da drüben“, raunte Björn Eggert dem SPD-Kollegen Sven Kohlmeier zu, der anschließend twitterte: „Da schlägt Morlang seinen Nachbarn bei der Debatte um die Kennzeichnung der Polizei. Ukrainische Zustände bei den Piraten!“. „Steht gerade eine Meditation an oder doch eher eine Massenschlägerei?“, schrieb der SPD-Abgeordnete Lars Oberg zurück. Morlang wehrte sich empört und bezichtigte Kohlmeier der „dreisten Lüge“.

Bekannt ist, dass Morlang hörgeschädigt ist und durch das laute Klatschen seines Nachbarn Magalski offenbar in Rage geriet. Dies allerdings so massiv, dass Vizepräsidentin Schillhaneck später sagte: „Es ist der Eindruck entstanden, dass es möglicherweise zu einer Handgreiflichkeit gekommen ist. Sollte dem so sein, möchte ich in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass dies absolut inakzeptabel ist!“ Der Ältestenrat des Abgeordnetenhauses, dem alle Fraktionschefs und der Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD) angehören, wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Vorfall befassen, der wohl geeignet ist, die Würde des Parlaments infrage zu stellen.

Ein Privatsender lieferte den Videobeweis für den Zwischenfall: www.alex-berlin.de/mediathek/video/id/1773. Den Stream auf 1 Stunde 14 Minuten einstellen.Ulrich Zawatka-Gerlach

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