Abschiebeknast,Container, leere Bauten : Unterkünfte für Flüchtlinge in Berlin

Sie schlafen auf Bänken, in Hauseingängen oder mitten im Park: Flüchtlinge, die gerade in Berlin eingetroffen sind und keinen Schlafplatz bekommen haben – weil die Stadt nicht so schnell bauen kann, wie Asylbewerber nachkommen

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Berlin kann nicht so schnell bauen, wie Asylbewerber kommen.
Berlin kann nicht so schnell bauen, wie Asylbewerber kommen.Foto: picture alliance / dpa

Die nächsten Wohncontainer für Asylbewerber sollen schnell fertig werden. Gleichzeitig stehen in Berlin auch Gebäude leer, die – so sagen einige – mit relativ geringem Aufwand als provisorische Unterkünfte hergerichtet werden könnten. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) lässt sich zwar fast täglich Gebäude nennen, aber nicht immer gelten sie nach Prüfung als geeignet.

ABSCHIEBEGEWAHRSAM KÖPENICK

In der Grünauer Straße standen im vergangenen Jahr im Schnitt 185 der 214 Betten leer. Der Leerstand kostete nach Angaben der Senatsinnenverwaltungrund 920.000 Euro im Monat. Geld, das für die Versorgung neuer Flüchtlinge fehlt. Udo Wolf, Chef der Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus, kann sich deshalb eine temporäre Umnutzung des Gebäudes vorstellen: „Wir brauchen den Abschiebeknast nicht. Er kostet viel Geld und steht fast leer. Bevor man Flüchtlinge in Zelten oder unter freiem Himmel schlafen lässt, könnte man ihn als Zwischenlösung nutzen.“

Wohncontainer in Köpenick
Bezugsfertig. Am letzten Dezember-Wochenende 2014 sind die ersten Flüchtlinge ...Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Kitty Kleist-Heinrich
29.12.2014 14:36Bezugsfertig. Am letzten Dezember-Wochenende 2014 sind die ersten Flüchtlinge ...

Allerdings, so Wolf, dürfe der Bau dann nicht weiter als Abschiegewahrsam genutzt werden. Auch müsse eine menschenwürdige Unterbringung gewährleistet sein. „Alles, was an einen Knast erinnert, muss entfernt werden“, sagte Wolf. Das Gebäude ist mit hohen Betonmauern, Stacheldraht und Metallgittern an den Fenstern gesichert. Die Senatsinnenverwaltung verwies darauf, dass man rechtlich dazu verpflichtet sei, einen Abschiebegewahrsam vorzuhalten.

„Die derzeitige Zahl der Insassen ist nur eine Momentaufnahme“, sagte ein Sprecher am Montag. Eine verlässliche Prognose des konkreten Bedarfs an Abschiebeplätzen sei nicht möglich. Trotzdem werde gemeinsam mit Brandenburg nach einer Lösung gesucht.

WOHNCONTAINER IM SÜDWESTEN

Noch im August, spätestens aber Anfang September sollen die letzten drei Wohncontainersiedlungen fertig werden. An den Anlagen in der Potsdamer Chaussee und am Ostpreußendamm in Steglitz-Zehlendorf wird seit Monaten gearbeitet, allerdings ist bundesweit der Bedarf an Wohncontainern gestiegen: Verzögerungen drohen schon deshalb, weil alle Bundesländer derzeit die wenigen Unternehmen anfragen, die Wohncontainer errichten.

Ebenfalls zügig soll am Hausvaterweg in Lichtenberg eine Wohncontainersiedlung entstehen. Proteste von Anwohnern zeichnen sich dort schon ab. In den drei neuen Anlagen werden mehr als 900 Männer, Frauen und Kinder wohnen. Das berlinweit erste Wohncontainerheim am Standort Alfred-Randt-Straße in Köpenick ist seit Dezember 2014 bewohnt. In die zweite Siedlung in Buch sind im vergangenen Frühjahr Flüchtlinge eingezogen.

BIS ZU 500 PLÄTZE IN HECKESHORN

Schon seit 2007 steht die ehemalige Lungenklinik Heckeshorn nahe dem Wannsee leer. Die geplante Nutzung als Flüchtlingsheim wurde erstmals im Februar bekannt. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sagte am Dienstag, im einstigen Schwesternheim könnten 50 bis 60 Plätze entstehen. Sukzessive sollen auf dem Gelände „mehrere hundert Flüchtlinge untergebracht werden“. Die Rede ist von bis zu 500 Menschen.

Das 15-Hektar-Areal mit 41 Gebäuden und viel Grün gehört dem Land Berlin. Es liegt ziemlich abgelegen und versteckt nahe der Liebermann-Villa, dem Haus der Wannsee-Konferenz und einem Yachtclub. Nach den notwendigen Umbauten würden Betreiber gesucht, kündigte Czaja an.

Das künftige Flüchtlingsheim Heckeshorn soll nach der am Freitag eröffneten Unterkunft in Karlshorst die zweite dezentrale Erstaufnahmeeinrichtung werden. Das Land will dort mobile Teams einsetzen. Zu den wenigen aktuellen Nutzern des Geländes gehören der DRK-Blutspendedienst, ein Waldkindergarten und eine Filmfirma, die Räume für Dreharbeiten vermietet. Läden etwa gibt es dort nicht, die nächsten Geschäfte stehen im Wannseer Ortskern. Die einzige Verkehrsverbindung ist die Buslinie 114.

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