• Adventskalender zu maroden Schulen: In Kaulsdorf müssen Kinder zwei Jahre mit dem Bus pendeln

Adventskalender zu maroden Schulen : In Kaulsdorf müssen Kinder zwei Jahre mit dem Bus pendeln

"Einstürzende Schulbauten" heißt ein Adventskalender, in dem Berliner Elternvertretern täglich eine marodes Schulgebäude anprangern. Wir begleiten die Aktion ab sofort täglich.

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Da protestierten sie noch. Kinder der Kaulsdorfer Grundschule vor dem maroden Gebäude. Inzwischen ist die Schule dicht.
Da protestierten sie noch. Kinder der Kaulsdorfer Grundschule vor dem maroden Gebäude. Inzwischen ist die Schule dicht.Foto: privat

Advent, Advent . . . eine Ungeheuerlichkeit nach der anderen aus Berlins maroden Schulen kann man nun wieder Tag für Tag nachlesen im Adventskalender des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf. Bis Heilig Abend öffnen die Eltern in ihrem Blog "Einstürzende Schulbauten" Türchen mit haarsträubenden Beispielen kaputter Schulen. Der Tagesspiegel unterstützt ihre Aktion. Ab sofort veröffentlichen wir gleichfalls täglich online und in der gedruckten Ausgabe, was der Kalender so alles anprangert. Heute das zweite Türchen:

Die Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf

Im Hellersdorfer Ortsteil Kaulsdorf soll die total heruntergekommene Franz-Carl-Achard-Grundschule Schule komplett abgerissen werden, weil eine Sanierung inzwischen wesentlich teurer wäre als ein Neubau. Zu lange ließen die Verantwortlichen den Verfall weitgehend tatenlos geschehen. Hausschwamm fraß sich in den vergangenen Jahren in die Gemäuer, nach und nach wurden Teile der Schule wegen Einsturzgefahr gesperrt. 2013 beispielsweise die Turnhalle, zu Beginn dieses Schuljahres dann erst eine ganze Etage, schließlich ein Treppenhaus. Fluchtwege fielen weg, weshalb Anfang September Hals-über Kopf das gesamte Gebäude auf Dauer geräumt werden musste.

Jeden tag zehn Kilometer mit dem Bus: Die Schüler beim Einsteigen.
Jeden tag zehn Kilometer mit dem Bus: Die Schüler beim Einsteigen.Foto: privat

Die belastende Folge für Kinder und Lehrer: Da es in der Nähe keine Ausweichräume gibt, müssen die rund 360 Schüler nun täglich mit Bussen rund zehn Kilometer zu einem neu gebauten Unterrichtsgebäude fahren, das eigentlich für die Erweiterung der Marcana-Schule im Norden Marzahns vorgesehen war, aber nun erstmal von ihnen genutzt wird. Die Busfahrten der Erst- bis Sechsklässler dauern jeweils im Berufsverkehr bis zu 40 Minuten.

Für Spiel und Sport bleibt wegen der langen Busfahrten kaum Zeit

Für Spiel und Sport, aber auch für Hausaufgaben und weitere Aktivitäten im Hort oder daheim nach der Schule bleibt dadurch kaum mehr Zeit. Und das Schlimmste: Diese Belastung müssen sie nun mindestens zwei Jahre aushalten. So lange wird es dauern, bis ihre alte Grundschule abgerissen und ein Neubau fertiggestellt ist. Dieser solle in Schnellbauweise aus "modularen Ergänzungsbauten" errichtet werden, versprach das Bezirksamt. Die Eltern sind auch von dieser Aussicht nicht so recht begeistert. "Auf eine hohe Qualität und innovative Raumkonzepte wird man bei diesen Modulen nicht hoffen dürfen", meinen sie.

Die Kaulsdorfer Grundschule ist übrigens nach dem 1753 in Berlin geborenen Naturwissenschaftler Franz Carl Achard benannt. Er entwickelte die Technik zur Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben. Im Jahr 1802 errichtete er in Preußen die erste funktionsfähige Rübenzuckerfabrik der Welt.

Lesen Sie alle Folgen des Adventskalenders hier:

1. Dezember: Knöterich in Alt-Lankwitz

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