• Ärzte warnen vor Mangel an Medikamenten Praxen sollen weniger Arzneimittel verschreiben

Berlin : Ärzte warnen vor Mangel an Medikamenten Praxen sollen weniger Arzneimittel verschreiben

Ärztevertreter sehen die Medikamentenversorgung gesetzlich krankenversicherter Patienten in Berlin gefährdet: Neue Obergrenzen bei den sogenannten Arzneimittelrichtgrößen schränkten den Spielraum bei Verschreibungen seit Anfang Juli stark ein, kritisieren die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und ein halbes Dutzend Facharztverbände. „Der Sparkurs der Berliner Krankenkassen geht zulasten der Patienten“, sagt die KV-Vorsitzende Angelika Prehn. Die Kassen widersprechen jetzt in einem Rundschreiben: Die Änderungen beruhten auf Erhebungen zur Verschreibungspraxis und brächten Patienten keine Nachteile.

Die Grundlage des Streits liegt darin, dass Ärzte nicht unbegrenzt Rezepte ausstellen dürfen. Überschreiten sie das Gesamtvolumen der Verordnungen für Kassenpatienten ohne besondere Gründe um mehr als 25 Prozent, können die Kassen Regress verlangen. Bei Neuverhandlungen über die Richtgrößen konnten sich beide Seiten in diesem Jahr nicht einigen. Deshalb entschied ein Landesschiedsamt – aus Sicht der KV einseitig für die Kassen.

„Jeder Griff zum Rezeptblock bedeutet für einen Vertragsarzt in Berlin künftig eine konkrete Regressgefahr“, sagt Angelika Prehn. Für Kinderärzte etwa sei die Richtgröße um 60 Prozent gesunken. Noch stärker betroffen seien viele Internisten, rechnet Maria Klose vom Berufsverband der niedergelassenen fachärztlichen Internisten vor. So liege die Obergrenze für Verschreibungen von Kardiologen um 75 Prozent niedriger als zuvor. „Die Patienten werden wie Bittsteller von Arzt zu Arzt rennen müssen, um ihre Medikamente zu bekommen.“ Es gebe „innovative und segensreiche“ neue Arzneien, die wegen hoher Preise aber kaum noch verschrieben werden könnten.

Dagegen argumentieren die Kassen, je nach Arztgruppe hätten sich die Kosten „sehr unterschiedlich entwickelt“. In manchen Bereichen seien die Obergrenzen jetzt sogar angehoben worden. Das Gesprächsangebot an Ärztevertreter könne zu Nachverhandlungen und Anpassungen in einzelnen Bereichen führen, wenn der Bedarf nachgewiesen werde. Zurzeit herrsche vor allem „Verunsicherung“, sagt Gabriela Leyh vom Verband der Ersatzkassen in Berlin und Brandenburg.

Die KV kann gegen die Neuerungen vor dem Sozialgericht klagen. Ob es dazu kommt, steht laut Vorstandsmitglied Burkhard Bratzke bisher nicht fest: „Wir warten noch auf die schriftliche Begründung der Schiedsstelle.“CD

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