Ahmadiyya-Gemeinde : Tag der offenen Moschee: Kommen, um zu streiten

Die Moschee ist fertig, aber der Konflikt bleibt: Die Ahmadiyya-Gemeinde lud in ihr neues Gotteshaus in Pankow-Heinersdorf. Manche kamen, um zu sehen. Andere, um dem Imam eine Fülle von Fragen zu stellen.

Werner Kurzlechner
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Joachim Swietlik, Vorsitzender einer Interessengemeinschaft gegen den Bau der Moschee, lässt sich von Imam Abdul Basit Tariq...Foto: Uwe Steinert

Sie sind in die Moschee gekommen, um zu streiten. Etwa ein Dutzend Mitglieder der Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger (Ipahb) ist am Sonnabend der Einladung von Imam Abdul Basit Tariq gefolgt, am Tag der offenen Tür das vor wenigen Wochen eröffnete Gotteshaus der Ahmadiyya-Gemeinde in Heinersdorf von innen zu besichtigen.

Die Ipahb-Leute lassen sich vom Imam durch die Gebetsräume führen, um kritische Fragen zu stellen. Sie wollen zum Beispiel wissen, warum Mubashra Illyas nicht als Architektin auf dem Schild vor dem Gebäude steht. Von der jungen Frau stammten zwar die Entwürfe, erklären Gemeindemitglieder. Sie sei aber während der Bauzeit noch nicht als Architektin eingetragen gewesen. Die Ipahb-Leute glauben dennoch, die Ahmadiyya habe Illyas der Öffentlichkeit nur präsentiert, um ein aufgeklärtes Frauenbild vorzutäuschen.

Die Moschee ist fertig gebaut, aber der Konflikt bleibt. 82 Mitglieder habe seine Initiative mittlerweile, sagt der Ipahb-Vorsitzende Joachim Swietlik – das seien mehr denn je. Die Atmosphäre sei aber dennoch nicht vergiftet. „Gute Nachbarn respektieren sich, auch wenn sie sich kontrovers miteinander auseinandersetzen“, sagt Swietlik. Und das tun sie. Die Initiative fordert Antworten auf eine ganze Fülle von Fragen, die die Ahmadiyya-Gemeinde immer noch nicht beantwortet habe. Zum Beispiel, wie sie Heiden und Juden gegenüberstehe. Imam Tariq verspricht, sie bald schriftlich zu beantworten und die Antworten zu veröffentlichen. Bevor der Imam seine Gegner in die Moschee bittet, nimmt er noch deren Gegeneinladung zu einem Streitgespräch im Januar an.

Die Reibereien haben Dutzende Berliner nach Heinersdorf gelockt, die sich selbst ein Bild machen wollen. Sie finde die Einstellungen der Ahmadiyya gut, sagt Marion Gensch aus Friedrichshain: „In dieser Gemeinde bleibt niemand alleine stehen – in unserer Gesellschaft leider schon.“ Eine Besucherin aus Pankow ist ganz begeistert, nachdem eine Studentin aus der Gemeinde ihr den Gebetsraum für die Frauen direkt unter der Kuppel gezeigt hat. „Ich habe gelernt, dass die Ahmaddiya jede Form von Zwangsheirat ablehnen“, sagt sie.

Jürgen Kadler aus Wedding lobt die zurückhaltende Architektur des Baus mit zwölf Meter hohem Minarett: „Das ist kein Herrschaftssymbol – anders als andere Moscheen.“ Außerdem sei für ihn als 1949 geborenen Westberliner Freiheit das höchste Gut, für die er auch im Namen friedlicher Mitmenschen der Ahmadiyya-Gemeinde eintreten wolle. Jürgen Kadler ist gekommen, um sich mit der Ipahb zu streiten. Werner Kurzlechner

Auch am heutigen Sonntag ist die Khadija-Moschee, Tiniusstraße 5, von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.

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