Alex-Schläger : Fahnder sind über die Türkei irritiert

Bilal K. hat sich nach Monaten gestellt. Damit ist nur noch ein Tatverdächtiger für die deutsche Justiz nicht erreichbar, er ist in der Türkei. Den Berliner Ermittlern ist unklar, wie die türkischen Behörden vorgehen.

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Trauer um Jonny K. Nach seinem Tod wurden viele Blumen zu seinem Gedenken niedergelegt.
Trauer um Jonny K. Nach seinem Tod wurden viele Blumen zu seinem Gedenken niedergelegt.Foto: dapd

Der am Samstagabend aus der Türkei zurückgekehrte Alexanderplatz-Schläger Bilal K. sitzt jetzt in der Untersuchungshaftanstalt Moabit. Dem 24-Jährigen ist der Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge verkündet worden – darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.

Trauerfeier für Jonny K.
Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.Weitere Bilder anzeigen
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28.10.2012 14:58Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.

K. hatte sich wie der mutmaßliche Haupttäter, Onur U., nach der Tat in die Türkei abgesetzt. Man hätte gerne auch den letzten Tatverdächtigen in Berlin, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft, Andreas Behm, am Montag: „Wir versuchen ihm zu vermitteln, dass es in seinem Interesse ist, nach Deutschland zurückzukommen.“ Dem Vernehmen nach sind die Berliner Ermittler verstimmt über das Verhalten der türkischen Behörden. Wie berichtet, hatte die Türkei im Februar Akten angefordert. Dies bedeutet, dass die Türkei ihn für einen türkischen Staatsangehörigen hält. Die Berliner Behörden gehen dagegen weiter davon aus, dass U. Deutscher ist. Unzufrieden sind die hiesigen Ermittler, dass Onur U. in der Türkei nicht festgenommen wird und völlig unklar sei, was die türkische Staatsanwaltschaft vorhabe. So gebe es widersprüchliche Angaben darüber, ob die Türkei einen Haftbefehl ausgestellt hat oder nicht. Es gibt Hinweise, dass die Türkei mit ihren – zaghaften – Ermittlungen ebenfalls Druck auf Onur U. ausüben will. Haftbedingungen in der Türkei gelten als deutlich härter als in Deutschland.

In der Türkei wollen die Behörden weiter keine Auskünfte geben. Die Staatsanwaltschaft im zentralanatolischen Sivas, die vor zwei Wochen erklärt haben soll, dass es in der Türkei keinen Haftbefehl gegen den Gesuchten gebe, war auch am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die türkische Regierung will sich ebenfalls nicht äußern und verweist auf Datenschutzgründe.

Mehrfach hatte der Anwalt von U. in den vergangenen Monaten angekündigt, dass sich U. hier stellt. Doch der 19-jährige Boxer kam bisher nicht.

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