• Als Matthias Kollatz-Ahnen noch an den BER glaubte: Der alte Kredit des neuen Finanzsenators

Als Matthias Kollatz-Ahnen noch an den BER glaubte : Der alte Kredit des neuen Finanzsenators

Nachhaltig, strahlend und gut für die Wirtschaft - Berlins designierter Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sprach einst in den höchsten Tönen über den Pannenflughafen BER. Damals noch als Banker.

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Berlins designierter Finanzsenator und Ex-BER-Fan: Matthias Kollatz-Ahnen.
Berlins designierter Finanzsenator und Ex-BER-Fan: Matthias Kollatz-Ahnen.Foto: dpa

Ein Banker für Berlin. Das hört sich gut an – und tatsächlich spendierte der künftige Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen der Hauptstadtregion eine Milliarde Euro, lange bevor er ins neue Amt berufen wurde. Eine schöne Stange Geld für den Großflughafen BER in Schönefeld. Ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) zu günstigen Konditionen und mit voller Rückendeckung der EU-Kommission.

„Die größte Infrastrukturfinanzierung in Europa“, verkündete Kollatz im Juli 2009 stolz, da war er schon drei Jahre Vize-Chef der EIB. „Wir erwarten, dass der Flughafen positiv auf die Wirtschaftsentwicklung weiter Teile Ostdeutschlands ausstrahlen wird.“ Dies sei ein nachhaltiges Projekt, dem die Bank besondere Priorität zumesse. Aus heutiger Sicht eine gewagte Prognose, aber es gehört nun mal zum Handwerkszeug eines Diplom-Volkswirts, optimistisch in die Zukunft zu blicken. In diesem Fall – Pech gehabt. Ein Jahr später wurde der Eröffnungstermin für den Flughafen zum ersten Mal verschoben.

Vorrausschauendes Handeln ist Glückssache

Die weitere Geschichte des herausragenden europäischen Investitionsvorhabens ist bekannt. Blühende Landschaften im Osten hat der still vor sich hinvegetierende BER bisher nicht erzeugt, sieht man vom grünen Rasen vor dem Hauptterminal ab. Und der Finanzsenator in spe muss vielleicht schon bald frisches Geld aus der Landeskasse lockermachen, damit die klamme Flughafengesellschaft ihre Großkredite an seine ehemalige Bank ordentlich abstottern kann. Ansonsten würde eine staatliche Bürgschaft in voller Höhe fällig.

So schlimm wird es schon nicht kommen! Oder, wie war das, es kommt gelegentlich noch schlimmer? Egal. Jedenfalls muss sich der neue Finanzsenator in dieses böse Thema nicht erst hineinarbeiten. Er wird noch wissen, wie es war. Ende 2007 hatte die EIB das Darlehen für den Flughafenbau grundsätzlich bewilligt, die letzte Tranche wurde im Sommer 2009 vertraglich festgezurrt. Alles in allem eine Milliarde Kredit über 25 Jahre.

Bis dahin läuft der Laden vielleicht. Man soll die Probleme ja immer von hinten durchdenken, dann lösen sie sich oft von alleine auf. Und den Ex-Banker, der sich bald um die Berliner Steuergelder kümmert, trifft keine Schuld. Er und seine früheren Kollegen am Boulevard Konrad Adenauer in Luxemburg haben es schließlich nur gut gemeint. In der chronisch kriselnden Welt der Finanzen ist vorausschauendes Handeln nun mal Glückssache. Kollatz könnte sogar in den BER-Aufsichtsrat wechseln. Die suchen dringend Experten.

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