ALS TOURISTIN IN BERLIN : Warum ich nicht gern im Hotel wohne

Wer schon mal in einer fremden Stadt die Nacht durchgemacht hat und die Sonne hat aufgehen sehen, kennt dieses Gefühl. Das Gefühl, am erwachenden Morgen die Tür zu einer gemütlichen Altbauwohnung aufzuschließen, am Fenster zum noch verschlafenen Innenhof eine letzte Zigarette zu rauchen oder einen Tee zu trinken und dann abenteuertrunken ins Bett zu fallen. Es ist eine wohlige Art des Heimkommens, obwohl das Heim nur eine Ferienwohnung ist. Ich spüre es immer, wenn ich für ein paar Tage in Berlin bin und dann ein Apartment in Mitte, in Friedrichshain oder in Prenzlauer Berg bewohne, mit Hinterhofcharme und Holzdielenboden, abgewandt von den belebten Straßen und doch so nah, um um die Ecke in Cafés zu schmökern, in Designerlädchen zu stöbern oder auf einer Parkbank dem Leben der Berliner zuzuschauen. Während man im Hotel im Morgengrauen bereits den ersten Frühstücksgästen in die Arme läuft, bietet ein Apartment einen privaten und ruhigen Rückzugsort. Und Unabhängigkeit zu jeder Uhrzeit. Man steht auf, wann man will und isst, was mal will. Und keiner stört sich daran, wenn man im Pyjama und mit zerzausten Haaren am Tisch sitzt. Billiger ist es oftmals auch, zumindest wenn ich mit ein paar Freundinnen unterwegs bin.

Im Vergleich zu Ferienwohnungen sind Hotels oft wie ein Tinnitus: Immer sind da Geräusche. Der Nachbar im Zimmer links gönnt sich in unanständiger Lautstärke Pay-TV, der im Zimmer rechts duscht in aller Herrgottsfrühe, und irgendwann klopft die Putzfrau an. Im Hotel ist man Gast auf Zeit, dessen ist man sich stets bewusst. Ein Apartment dagegen ist ein Zuhause auf Zeit, eine schöne Simulation von Vertrautheit in der Fremde. Natalie Gress

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