Alternative zum Flughafen Tempelhof : Berliner Karl-Marx-Allee wird Rennstrecke

Das Tempelhofer Flughafengebäude samt Vorfeld wird mit Flüchtlingen belegt – Formel-E, Lollapalooza und Bread & Butter haben neue Standorte gefunden.

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Die Karl-Marx-Allee soll Rennstrecke werden. Weil der Flughafen Tempelhof gerade anderweitig gebraucht wird, rücken nun neue Flächen für Großveranstaltungen in den Fokus.
Die Karl-Marx-Allee soll Rennstrecke werden. Weil der Flughafen Tempelhof gerade anderweitig gebraucht wird, rücken nun neue...Foto: Britta Pedersen/dpa

Nach dem Einzug von Flüchtlingen in den Flughafen Tempelhof sind rund 30 Veranstaltungen in den Hangars und auf dem Vorfeld abgesagt worden; zugleich begann eine intensive Suche nach Ersatzstandorten, um die Veranstalter in Berlin zu halten. Für die wichtigsten Events gibt es jetzt eine Lösung.

Vielleicht finden sich ja noch irgendwo die alten Tribünen. Die Karl-Marx-Allee war schließlich Paradestrecke am Republikgeburtstag, mit Erich Honecker und dem versammelten Politbüro. Jetzt könnte die Allee an ihre großen Zeiten anknüpfen. Der Senat möchte das Grandprix-Rennen der Elektroautos auf die breite Magistrale am Alexanderplatz verlegen. Auch der Strausberger Platz sowie Bereiche der Lichtenberger Straße sollen in den Rundkurs integriert werden.

Avus und Straße des 17. Juni kamen nicht in Betracht

Die Idee hört sich abenteuerlich an, aber offenbar sind die Behörden – unter dem Druck der hohen Flüchtlingszahlen – derzeit zu gewagten Entscheidungen bereit. Das E-Mobility-Rennen war 2015 erstmals auf dem Vorfeld in Tempelhof ausgetragen worden, in diesem Jahr sollte die zweite Ausgabe erfolgen. Die Organisatoren von der Federation Internationale de l’Automobile FIA hielten an Berlin als Veranstaltungsort fest.

Der Treptower Park soll das Lollapalooza-Festival aufnehmen.
Der Treptower Park soll das Lollapalooza-Festival aufnehmen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die naheliegenden Optionen für das am 21. Mai geplante Rennen – Avus und 17. Juni – wurden geprüft, doch die Avus ist wegen des parallel stattfindenden DFB-Pokalendspiels unverzichtbar, der 17. Juni ist schon mit dem Avon-Frauenlauf belegt. Schließlich kam die Karl-Marx-Allee in den Fokus. „Die Entscheidung trifft letztlich der Veranstalter“, sagte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Verkehr. Am Montag begrüßte die Formel E die Pläne. Jetzt muss sie ein Konzept mit Sicherheitsvorkehrungen einreichen, das der Weltverband Fia prüfen wird. Dass eine Genehmigung erteilt wird, ist wahrscheinlich. Fia-Präsident Jean Todt erklärte gestern, Berlin sie eine der wichtigsten Städte der Welt, die neue Strecke passe „perfekt“.

Tribünen für 14.000 Zuschauer

Der ADAC Berlin-Brandenburg ist in die Planung involviert. Motorsportchef Horst Seidel hält das Konzept für eine gute Alternative zu Tempelhof und erhofft sich mehr Akzeptanz für den Rennsport. „Berlin ist ja nicht die motorsportfreundlichste Stadt.“ Dass sich die Allee zur zweiten Avus mausern könnte, ist eher nicht anzunehmen. Eine Rennstrecke mitten in der Stadt sei nur mit geräuscharmen und abgasfreien E-Autos denkbar, die je nach Streckenführung 170 bis 200 kmh erreichen. Für Auf- und Abbau der Rennstrecke samt Tribünen für 14.000 Zuschauer und Schutzvorrichtungen müsste die Karl-Marx-Allee für mehrere Tage komplett gesperrt werden – ein Novum für die Verkehrsplaner. Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) ist eher skeptisch. Autorennen in der Innenstadt könnten dazu ermuntern, auch mit dem privaten Auto Rennen zu veranstalten. Spallek hält das Tempelhofer Feld für besser geeignet.

Rennpiste Berlin: So sieht die Formel-E-Strecke aus
Formel-E-Rennfahrer Daniel Abt ist schon in Berlin. Am kommenden Samstag wird auch er an den Start gehen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 27Foto: dpa
16.02.2016 08:42Formel-E-Rennfahrer Daniel Abt ist schon in Berlin. Am kommenden Samstag wird auch er an den Start gehen.

Auch für das große Musik-Festival Lollapalooza am 10. und 11. September gibt es einen überraschenden Ausweichstandort. Das zweitägige Festival mit rund 50 000 Besuchern soll in den Treptower Park umziehen. Dorthin, wo noch im Sommer die Raver vom „Zug der Liebe“ keinen Einlass erhielten. Die Leiterin des Grünflächenamts Treptow-Köpenick erklärte damals, der Park sei nicht für solche Menschenmassen ausgelegt.

Lollapalooza-Team ist begeistert vom Treptower Park

Das sieht der zuständige Stadtrat Rainer Hölmer (SPD) heute noch genauso, allerdings erreichte ihn vor einigen Woche eine dringende Bitte aus der Senatskanzlei. Bei der Suche nach einer Ersatzfläche sei letztlich nur noch der Treptower Park übrig geblieben. Andere Optionen, darunter auch das Messegelände am BER in Selchow, waren verworfen worden. Die Lollapalooza-Organisatoren loben den neuen Standort. „Mit der tollen neuen Location im Treptower Park haben wir einen Ort gefunden, der mit seinen einzigartigen Gegebenheiten und Energien sowie seinem Charme ganz wunderbar zu Lolla Berlin passt“, sagt Festivalleiterin Fruzsina Szép. Man werde den Park schonen und „etwas Nachhaltiges vor Ort“ schaffen. Was das sein könnte, wird noch mit dem Bezirk besprochen. Hölmer will ausschließlich Rasenflächen zur Verfügung stellen, die anschließend auf Kosten des Veranstalters wiederhergerichtet werden. Geplant ist auch eine Sperrung der Puschkinallee. Auf dem Festival treten bekannte Namen auf: Radiohead, Kings of Leon, New Order und Paul Kalkbrenner.

Bread & Butter zieht in die Arena

Nach der Übernahme der insolventen Modemesse Bread & Butter durch Zalando musste die geplante Neuausgabe im Januar abgesagt werden. Ein Zalando-Sprecher äußerte damals Verständnis. Flüchtlinge gingen eben vor. Jetzt ist ein neuer Standort gefunden, die Arena in Treptow. Vom 2. bis 4. September sollen die Hallen an der Spree mit einer Modeshow, Verkaufsausstellung, Konferenz und Konzerten bespielt werden. Zalando erwartet „mehrere tausend Besucher“, viel weniger als zu Hochzeiten der Bread & Butter. Es soll eine Mischung aus Publikums- und Fachmesse werden, „wir wollen kein elitäres Event“, sagt Zalando-Sprecherin Sandra Petersen. Ob es 2017 eine Wiederholung geben wird, ist noch unklar. „Wir probieren das jetzt mal aus.“

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