ALTERNATIVEN : Nachtruhe am BER: Welche Kompromisse sind möglich?

Platzecks Plan. Matthias Platzeck – Brandenburger Regierungschef (SPD) und BER-Aufsichtratschef in einem – will die nächtlichen Belastungen für zehntausende BER-Anwohner in Brandenburg verringern. Die vom Volksbegehren geforderte Ausweitung des Nachtflugverbots auf 22 Uhr bis sechs Uhr – bisher gilt dieses von Mitternacht bis 5 Uhr am Morgen – lehnen Berlin und der Bund als Miteigentümer strikt ab. Kompromisse sind trotzdem möglich.

Weiter weg. Angeregt hat Platzeck, in den umstrittenen „Randstunden“ die Belastungen zu konzentrieren, also Starts und Landungen etwa nur auf die Süd- oder Nordbahn in Schönefeld zu legen – die Südbahn wäre weiter weg vom Berliner Stadtrand; der Abstand zur parallelen Nordbahn beträgt knapp zwei Kilometer. Möglich sei allerdings auch ein wöchentlicher Wechsel beider Bahnen, um Regionen Lärmpausen zu verschaffen.

Spielräume. Platzeck soll von Ex-Fraportchef Wilhelm Bender, der ihn jetzt berät, signalisiert worden sein, dass es Spielräume für eine leichte Ausweitung der Ruhezeit gäbe – und zwar mit erträglichen Auswirkungen für die Airlines. Das deckt sich mit Erkenntnissen von Brandenburgs CDU-Opposition, die nach Konsultationen mit Experten wie Dieter Faulenbach da Costa oder einem Ex-Lufthansa-Vorstand als Kompromiss eine flugfreie Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr fordert.

Wochenendrouten. Zuständig ist die Deutsche Flugsicherung (DFS). Bereits im Zusammenhang mit den Flugroutenprotesten wurde über weniger belastende An- und Abflugverfahren diskutiert, wie sie auch an anderen Flughäfen praktiziert werden. Erwogen wird eine Übertragung des „Tegeler Modells“, das Flugzeuge länger an Korridore bindet und an Wochenenden und Feiertagen mit 8000 Fuß eine größere Höhe vorschreibt, ehe sie Routen verlassen und frei fliegen dürfen (bisher gilt 5000 Fuß, also 1500 Meter). Geprüft werden könnten auch anwohnerfreundlichere Sinkflugregelungen oder verkürzte Korridore für den Endanflug.

Andere Routen. Wie am BER geflogen wird, ist ohnehin noch offen. Die Routen stehen auf dem Prüfstand. Denn das Oberverwaltungsgericht hat im Januar die Wannseeroute gekippt, weil die zu nah am Forschungsreaktor des Hahn-Meitner-Instituts vorbeiführt. Sollte die Revision der DFS scheitern, müssen die Routen neu austariert werden. Und wegen drohender Überflüge über Naturschutzgebiete haben EU-Behörden interveniert. thm

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