Berlin : Am wenigsten spart der BVG-Vorstand bei sich

Während Mitarbeiter auf Geld verzichten sollen, gibt die Spitze weiter viel aus. Teures Projekt gescheitert: Schönefeld-Bus wird eingestellt

Klaus Kurpjuweit

Verkehrte Welt bei der BVG. Während die meisten Mitarbeiter auf einen Teil des Einkommens verzichten sollen oder gar um ihren Arbeitsplatz bangen, wird an der Spitze des Unternehmens fleißig Geld ausgegeben oder in den Sand gesetzt. Weil der Vorstand nach Ansicht von Insidern mit schlechtem Beispiel vorangeht, brodelt es unter den Mitarbeitern.

Eine der Folgen: Zunehmend fallen nach Tagesspiegel-Informationen auch Fahrten von Bahnen und Bussen einfach aus. Demotivierte Mitarbeiter melden sich häufiger krank, in den Werkstätten werden Fahrzeuge häufig nicht mehr so schnell repariert wie zuvor.

Das jüngste Fiasko muss BVG-Vorstandschef Andreas Graf von Arnim selbst auf seine Kappe nehmen. Gegen den Rat von Experten hatte er eine „Schnellbusverbindung“ vom Potsdamer Platz zum Flughafen Schönefeld durchgesetzt. Die im Mai gestartete Linie soll jetzt Ende Oktober eingestellt werden – mangels Fahrgästen. Dem Vernehmen nach hat der „SXF-Bus“ ein Defizit von rund 700 000 Euro eingefahren. Die BVG hatte sich stets geweigert, Fahrgastzahlen für diese Linie zu nennen. Oft war der Fahrer fast alleine an Bord. Auch jetzt heißt es offiziell: „Wir prüfen noch.“ Die Stadtentwicklungsverwaltung war ebenfalls von Anfang an skeptisch. Sie hatte die Linie deshalb ohnehin zunächst nur für ein halbes Jahr genehmigt.

Munter Geld ausgegeben wird einseitig auch im Personalbereich. Während der Vorstand von den Mitarbeitern der unteren und mittleren Vergütungsgruppen Einbußen fordert, gibt es in den höheren Stufen weiter Zuwächse. Die Zahl der übertariflich bezahlten Mitarbeiter ist nach Tagesspiegel-Informationen seit Ende 1997 um 60 auf nun über 80 gestiegen. Bei bereits beschäftigten Mitarbeitern wurde draufgelegt; es wurden aber auch neue Mitarbeiter eingestellt – bis in die jüngste Zeit. Nicht lumpen lässt sich die BVG auch bei den Zugaben. Neue Dienstwagen für die neuen leitenden Mitarbeiter sind weiter so selbstverständlich wie neue Möbel für die neuen Büros. Ärger unter den Mitarbeitern hat auch die Personalpolitik im Vorstand selbst verursacht. Nachdem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) den neuen Chef von Arnim als Sanierer der BVG aus dem Hut gezaubert hatte, schickte man im Oktober 2002 den bisherigen kaufmännischen Vorstand Joachim Niklas nach Hause, um weiter einen dreiköpfigen Vorstand als Sparvariante vorweisen zu können. Niklas erhält aber weiter volle Bezüge.

Trotz der neuen Mitarbeiter gibt die BVG auch weiter viel Geld für Beratungsfirmen aus. Gleich mehrere tummeln sich bei ihr.

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