Anbindung an Hauptbahnhof : Eröffnung von Straßenbahnstrecke verzögert sich erneut

Eigentlich sollte die Straßenbahn zum Hauptbahnhof schon seit dessen Eröffnung 2006 fahren. Jetzt verzögert sich die Eröffnung der nur 2,4 Kilometer langen Strecke um weitere sechs Monate. Es hakt an verschiedenen Stellen.

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Sechs Jahre Verzögerung gibt es bereits beim Bau der Tramstrecke zum Hauptbahnhof. Nun kommen weitere sechs Monate dazu. Foto: dpa
Sechs Jahre Verzögerung gibt es bereits beim Bau der Tramstrecke zum Hauptbahnhof. Nun kommen weitere sechs Monate dazu.Foto: dpa

Sechseinhalb Jahre Verspätung hat sie bereits – nun kommen wohl weitere sechs Monate hinzu: Nach derzeitigem Stand können erst im Sommer 2014 die ersten Straßenbahnen zum Hauptbahnhof fahren; bisher war dafür Ende 2013 vorgesehen. Ursprünglich war geplant, die Tram bereits zur Eröffnung des Hauptbahnhofs dort halten zu lassen. Und dieser ist bereits seit Ende Mai 2006 in Betrieb. Dabei liegt bereits ein Großteil der Gleise.

Die Neubaustrecke der Straßenbahn von der Chausseestraße bis zur Wendestelle am Straßenzug Alt-Moabit ist zwar nur 2,4 Kilometer lang, aber sie hat es in sich. Neue Gleise zu legen ist in Berlin fast immer schwierig. Bei der Strecke zum Hauptbahnhof kommen aber nach Tagesspiegel-Informationen sogar Unstimmigkeiten innerhalb der Senatsverkehrsverwaltung hinzu, die die Arbeiten verzögern. Während die Verkehrsplaner schnell bauen wollen, strebt die bauausführende Abteilung X eine Gesamtfertigstellung bis Ende 2015 an – wie es auch auf den Baustellenschildern steht.

Mit dem Legen der Gleise verbunden ist ein Ausbau der Invalidenstraße für den Autoverkehr. Weil dies in den ersten Unterlagen ziemlich versteckt war, musste das Planverfahren 2004 gestoppt und neu aufgerollt werden. Die Straße soll breiter werden und durchgängig zwei Fahrspuren erhalten. Die erforderliche Planfeststellung für den Straßen- und Trambau erfolgte deshalb nach dem Berliner Straßengesetz und nicht wie bei Tramstrecken üblich nach dem Personenbeförderungsgesetz. Eine vorzeitige Inbetriebnahme der Straßenbahn auf diesem Abschnitt macht den Straßenbau komplizierter und wird deshalb von den Straßenplanern nicht forciert.

Die Baustelle. Tram zum Hauptbahnhof. Grafik/Tsp
Die Baustelle. Tram zum Hauptbahnhof.Grafik/Tsp

Zudem hat nach Tagesspiegel-Informationen die ebenfalls zur Senatsverkehrsverwaltung gehörende Verkehrslenkung Berlin aktuell angeordnet, dass der Knoten Invalidenstraße/Chausseestraße erst gesperrt werden darf, wenn die Fahrbahn am Platz vor dem Neuen Tor fertig ist. Auch dies führt zur weiteren Verspätung.

Gehakt hat es zudem beim Leitungsbau, bei dem Rohre unter der künftigen Tramtrasse verlegt werden müssen. Die Unternehmen bauen hier nur im Einschichtbetrieb, was Kosten reduziert, die Bauzeit aber verlängert. Hier hat es ebenfalls Verzögerungen gegeben – durch unerwartete Hindernisse im Untergrund, durch behördliche Auflagen sowie wegen Vergabeproblemen. Trotz Aufforderungen durch die Verkehrsverwaltung sind die Zeitverzüge nach Tagesspiegel-Informationen nicht aufgeholt worden. Zuschläge für ein höheres Bautempo, wie bei der Sanierung der Avus, hat die Verwaltung abgelehnt. Die Kosten hätte sie tragen müssen, bei der Avus kommt dafür der Bund auf. Strafzahlungen wegen des Verzugs beim Leitungsbau sind nicht vorgesehen.

Im Weg steht der Tram zudem der Bau der S 21 genannten Verbindung der S-Bahn vom Nordring zum Hauptbahnhof, an der jetzt gebuddelt wird. Hier hat das Eisenbahn-Bundesamt den Bau der Sonderkonstruktion des Haltestellendaches der Straßenbahn auf dem S-Bahn-Tunnel noch nicht genehmigt.

Die Pläne der BVG sehen vor, den vollen Betrieb auf der neuen Strecke im Herbst 2014 aufzunehmen. Dann müsste der Straßen- und Leitungsbau entsprechend angepasst werden, was davon abhängt, welche Seite sich in der Verkehrsverwaltung durchsetzt: die Tram-Verfechter oder die Straßenbauer.

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