Angebot an Ex-Fraport-Chef : Noch ein Frankfurter soll BER retten

Der frühere Fraport-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender soll neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens BER werden. Die CDU-Fraktion bezeichnet ein mögliches Engagement Benders als Glücksfall, doch Klaus Wowereit ist sauer.

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Wilhelm Bender ist im Gespräch für die Nachfolge von Rainer Schwarz als Chef des BER.
Wilhelm Bender ist im Gespräch für die Nachfolge von Rainer Schwarz als Chef des BER.Foto: dpa

Dem früheren Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Wilhelm Bender, ist angeboten worden, neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens BER zu werden. Das bestätigten Aufsichtsratskreise dem Tagesspiegel. Demzufolge habe Bender sich bis zum Wochenende Bedenkzeit erbeten. Bender war 17 Jahre lang von 1993 bis 2009 Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Dabei hat er eng mit dem heutigen BER-Technik-Chef Horst Amann zusammengearbeitet. Bender könnte damit dem kürzlich von seinen Aufgaben entbundenen Rainer Schwarz nachfolgen.

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dirk Fischer, würde das Engagement begrüßen. „Wenn ihm ein Angebot gemacht wurde und er das auch annimmt, dann wäre das ein Glücksfall für den Berliner Flughafen BER“, sagte Fischer. Bender selbst wollte sich nicht äußern. Auch vom Bundesverkehrsministerium und der Flughafengesellschaft gab es keinen Kommentar. Berlins Regierender Bürgermeister und Aufsichtsratsvize, Klaus Wowereit (SPD), reagierte empört darauf, dass die Personalie bekannt wurde. „Ich finde es unerträglich, dass hier hochrangige Vertreter nicht das Wasser halten können“, sagte er im Abgeordnetenhaus. Personalien müssten vertraulich bleiben, bis sie abgeschlossen seien. Der 68-jährige Bender ist SPD-Mitglied, was für das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium dem Vernehmen nach aber kein Problem sei.

Bender müsste eine schwierige Aufgabe übernehmen. Denn noch immer ist nicht absehbar, wie es mit dem BER weitergeht. Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD), der sich zur Personalie Bender auch nicht äußern wollte, verdeutlichte am Mittwoch vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages, dass man noch nicht sagen könne, was die neuerliche Eröffnungsverschiebung an Mehrkosten mit sich bringe und wie die weitere Zeitplanung aussehe. Wichtig sei zunächst eine „konsistente“ Planung. Peter Danckert (SPD), Mitglied im Haushaltsausschuss, forderte ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren mit externen Sachverständigen. „Für die weitere Kosten- und Zeitplanung ist eine detaillierte Bestandsaufnahme notwendig, die sollte aber in jedem Fall mit einem ordentlichen gerichtlichen Beweissicherungsverfahren einhergehen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Ich rate der Flughafengesellschaft deshalb dringend, ein solches Verfahren anzustrengen.“ Amann sagte aber vor dem Ausschuss, dass man derzeit die Bestandsaufnahme ohne ein solches Verfahren mache.

Bewegung ist in einen seit Jahren schwelenden möglichen Korruptionsfall auf der BER-Baustelle gekommen. Der Chef des Märkischen Abwasser-Zweckverbandes und ein weiterer Unternehmer sitzen in Untersuchungshaft. Sie wurden wegen Verdunklungsgefahr bereits in der vergangenen Woche verhaftet, bestätigte Oberstaatsanwalt Frank Winter. Die Männer sollen versucht haben, Beweise zu manipulieren. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt schon seit 2010 gegen den Verbandschef wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und gegen den Unternehmer wegen mutmaßlicher Bestechung. Der Rohrleitungsbau-Betrieb hat für den Verband die Trink- und Abwasserleitungen am BER verlegt.

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