Berlin : Anklage nach Schüssen auf Polizisten

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Es geschah in den letzten Minuten des Jahres 2004. Um 23.37 Uhr krachte es links neben dem Polizeihauptmeister, die Scheibe seines BMW splitterte, eine Kugel traf Mario Krichbaum am Kopf. Als der 37Jährige das Bewusstsein verlor, rollte das Auto an der nächsten Kreuzung aus. Der Polizeifunk meldete: „Ein Kollege ist angeschossen worden!“

Mario Krichbaum hat den Anschlag auf der Schöneberger Hauptstraße nur mit Glück überlebt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Schützen erhoben: Mirsad S., 43 Jahre alt, ein aus Sarajewo stammender Gastwirt. Er sitzt seit vergangenem Januar in Untersuchungshaft. Nach seiner Festnahme hatte Mirsad S. zwar gestanden, den Schuss auf das Polizeiauto abgefeuert zu haben – aus „Feierlaune“, wie er sagte. Allerdings bestreitet Mirsad S., dass er vorher Mario Kirchbaum ins Visier genommen hat. Er will den Streifenwagen gar nicht bemerkt haben.

Der Staatsanwalt schenkt dieser Version keinen Glauben: Er hat den nicht vorbestraften Mirsad S. wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Vergehen gegen das Waffengesetz angeklagt. Die Waffe – eine 7,65 Millimeter Automatic – hatte sich der Pächter der „Cafeteria Roma“ aus Bosnien mitgebracht. „Der Angeschuldigte will die Tatwaffe 1995 zum Selbstschutz erworben haben“, sagt Justizsprecher Michael Grunwald. Mit ihr soll der Angeklagte eine halbe Stunde vor Mitternacht auf der belebten Hauptstraße etwa zwanzig Schüsse abgefeuert haben, während er mit Freunden und Familie vor seinem Lokal stand. „So feiere ich Silvester“, soll Mirsad S. zu Protokoll gegeben haben. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Jetzt muss erst das Gericht die Anklage zulassen. kf

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