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Antrittsbesuch des Bundespräsidenten : Gauck fordert mehr Zivilcourage und fremdelt mit dem Islam

Der Antrittsbesuch des Bundespräsidenten in Berlin fand am Montag noch unter dem Eindruck der schockierenden Gewalttat vom Alexanderplatz statt. Bei der Begegnung mit der muslimischen Gemeinde kam es für den früheren Pfarrer zu einer Premiere.

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Bundespräsident Joachim Gauck (2. von links) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt beim Antrittsbesuch in Berlin.
Bundespräsident Joachim Gauck (2. von links) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt beim Antrittsbesuch in Berlin.Foto: dpa

Vor dem Roten Rathaus brennen weiterhin die Kerzen zum Gedenken an das Opfer, und auch drinnen im Großen Festsaal ist die Gewalttat von vergangener Woche an diesem Montagvormittag eines der bestimmenden Themen beim offiziellen Antrittsbesuch des neuen Bundespräsidenten beim Regierenden Bürgermeister. „Ich wünsche mir mehr bürgerschaftliches Engagement gegen Gewalt“, sagt Joachim Gauck vor rund 200 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bei Fällen wie dem aktuellen, in dem ein 20-Jähriger nur wenige Meter vom Rathaus entfernt totgeschlagen wurde „geht es um einschreiten“, sagt Gauck. Die Gesellschaft müsse „Strategien gegen Gewalt“ finden, die Menschen müssten „weiter Entschlossenheit zeigen, Gewalt nicht zu tolerieren“.

Auch Gastgeber Klaus Wowereit spricht zur Begrüßung seines Gastes, der sich später ins Goldene Buch der Stadt eintrug, über die brutale Tat. „Bei aller Toleranz müssen wir alle tagtäglich darum kämpfen, dass kein Klima der Gewalt vorherrscht“, sagt der Regierungschef. Er warnt jedoch davor, jetzt pauschal ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren, nur weil die Täter wahrscheinlich türkischen oder arabischen Familienhintergrund haben: „Wir verschließen nicht die Augen vor Problemen“, sagt er. Aber oft hätten diese „einen sozialen Hintergrund, nicht nur einen Migrationshintergrund“.

Trauer am Alexanderplatz
In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny.Weitere Bilder anzeigen
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24.10.2012 18:04In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny.

Nach dem Empfang im Roten Rathaus gibt es für Gauck, der seit 20 Jahren in Berlin lebt, eine  Premiere, die angesichts des religiösen Hintergrunds des Bundespräsidenten manche Beobachter überrascht: Mit der Sehitlik-Moschee in Neukölln besucht der einstige Pfarrer und Stasi-Aktenverwalter am Nachmittag zum ersten Mal in seinem Leben ein muslimisches Gotteshaus, wie er vor dem Besuch eingestand. Später relativiert er das dann ein wenig: Als Tourist habe er sich bereits zuvor mal eine Moschee „aus architektonischen Gründen“ von innen angeschaut.

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