Berlin : ARMES, COOLES NEUKÖLLN

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Ausgerechnet im zwar angesagten, aber sozial abgehängten Norden Neuköllns gibt es nicht genug Kindergartenplätze. Dies liegt zum Teil am Erziehermangel. Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) geht davon aus, dass rund 800 der insgesamt 13 000 Plätze nicht vergeben werden können, weil es in einigen Kitas nicht genügend Personal gibt. Und genau diese 800 Plätze sind es, die dem Bezirk rein rechnerisch in der Prognose für 2014 fehlen.

Das zweite Problem im Bezirk ist der fehlende Platz für Neubauten. Er führt dazu, dass ausgerechnet in den Brennpunktregionen wie der Highdecksiedlung, der weißen Siedlung und der Köllnischen Heide keine neuen Kitas gebaut werden können. Der Stadtrat versucht deshalb, „drum herum“ Angebote zu schaffen, aber auch das ist nicht einfach. „Ich habe eine Liegenschaft gefunden, aber dann stellte sich heraus, dass die Eigentumsverhältnisse unklar sind“, beschreibt Liecke eine der vielen Hürden, vor denen das Jugendamt steht. Seine Mitarbeiter seien jetzt mit Trägern im Gespräch, „um alle Möglichkeiten auszuloten“. In jedem Fall komme Neukölln nicht mit den 880 000 Euro aus, die dem Bezirk aus dem Landesprogramm für den Kitaausbau im laufenden Jahr zustehen.

Neukölln steht aber noch vor einem besonderen Problem: Hier besuchen nur 90 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen eine Kita. Dementsprechend schlecht sind die Sprachkenntnisse der Kinder aus dem sozialen Brennpunkten. Die Familien, die wegen dieser schlechten Sprachkenntnisse ihr Kind im Jahr vor der Einschulung in die Kita schicken müssen, finden aber unter Umständen keinen Platz, weil viele von ihnen in den mit Kitas unterversorgten Siedlungen wohnen. Vor diesem Hintergrund wirkt es laut Liecke besonders absurd, dass sie neuerdings Bußgelder zahlen sollen, wenn sie ihr Kind nicht in die Kita schicken. „Hier vergaloppieren sich die Maßnahmen“, stellt Liecke fest. Der Anstoß zu den Bußgeldern kam aus der SPD. Susanne Vieth-Entus

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