Armut in Berlin : Senat hat keinen Überblick über obdachlose Kinder

In den Berliner Bezirken werden Kinder ohne festen Wohnsitz nicht einheitlich erfasst. Daher fehlen dem Senat verlässliche Zahlen. Die Grünen-Abgeordnete Burkert-Elitz wirft dem Sozialsenator vor, sich nicht für Kinderarmut zu interessieren.

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Kinder schauen durch einen Gitterzaun beim Park am Gleisdreieck.
Für viele Kinder sind die Aussichten in Berlin schlecht. Jedes dritte von ihnen wächst in Armut auf.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin hat keinen Überblick darüber, wie viele Kinder ohne einen festen Wohnsitz sind. Weder darüber, wieviele von ihnen mit ihren Eltern die Wohnung verloren haben noch wie viele Unter-18-Jährige auf der Straße leben. Es gibt in den Bezirken keine einheitliches Erfassungsverfahren. Dies geht aus der Antwort von Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz hervor.

Lediglich fünf der zwölf Bezirke machten bei der Beantwortung Angaben über die Anzahl der Kinder und Jugendlichen – dies allerdings nach unterschiedlichen statistischen Kriterien, so dass die Daten nicht vergleichbar sind.

So gab Neukölln an, dass bis Ende Juni 558 Kinder „ordnungsrechtlich“ untergebracht wurden. In Lichtenberg hingegen brachte das Bezirksamt 189 Kinder unter. Seit 2013 wiederum erfasste Tempelhof-Schöneberg 84 Fälle, in denen junge Menschen vor Beginn einer Maßnahme der Jugendhilfe ohne feste Unterkunft waren. Steglitz-Zehlendorf meldet zum Stichtag 30. Juni einen „Näherungswert von 94 erfassten Kindern“.

Jedes dritte Kind lebt unter Armutsgrenze

Durch die Soziale Wohnhilfe versorgt Spandau aktuell 127 Kinder mit ihren Eltern. Der Bezirk kann auch als einziger Angaben darüber machen, wie oft Kinder und ihre Familien von Zwangsräumung betroffen sind: In 2013 und 2014 waren dies 34 Familien.

Die Grüne Burkert- Eulitz sieht große Versäumnisse bei Sozialsenator Mario Czaja (CDU). „Er interessiert sich nicht für die Kinderarmut.“ Er wisse so gut wie nichts über die Situation armer Kinder und ihrer Familien. Dennoch lehne er die Einführung eines Armutsberichts ab, wie ihn die Grünen und die Landesarmutskonferenz fordern. In Berlin leben nach Angaben des Kinderschutzbundes rund 200.000 Kinder und Jugendliche unterhalb der Armutsgrenze, also jedes dritte Kind.

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