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Auf dem Weg von München nach Berlin : Flüchtlinge ziehen Notbremse im Sonderzug und steigen aus

Lieber Sachsen und Sachsen-Anhalt als Berlin und Brandenburg: 179 Flüchtlinge weniger als erwartet sind am Morgen in Schönefeld angekommen. Sie sind offenbar unterwegs ausgestiegen.

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Flüchtlinge am Bahnhof Schönefeld - eine Aufnahme vom vergangenen Sonntag.
Flüchtlinge am Bahnhof Schönefeld - eine Aufnahme vom vergangenen Sonntag.Bild: AFP/Axel Schmidt

In einem Sonderzug aus München sollten am Dienstagmorgen Flüchtlinge in Schönefeld ankommen, die anschließend in Unterkünfte in Berlin und Brandenburg ziehen sollten. Ursprünglich war von 550 Flüchtlingen die Rede, mittlerweile ist klar, dass 518 aus München gemeldet wurden. In Schönefeld kamen allerdings nur 339 an, mit der für einen Sonderzug ungewöhnlichen Verspätung von 18 Minuten. Der Grund: Nach Auskunft der Bundespolizei haben mehrmals in der Nacht Flüchtlinge die Notbremse gezogen und sind ausgestiegen - nach Angaben der Bundespolizei im Raum Leipzig, bei Delitzsch und bei Dessau.

Eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales sagt, es könne mehrere Gründe haben, warum sich die Flüchtlinge zu diesem Schritt entschließen - entweder sie kennen Menschen in den entsprechenden Gegenden, oder sie haben Angst, schon bei der Ankunft am Bahnhof registriert zu werden, wollten aber eigentlich in ein anderes Land weiterreisen.

Klar ist: Letztlich waren deutlich weniger Flüchtlinge im Zug als gemeldet. Von den verbliebenen wurden etwa 100 in Berlin untergebracht, wie schon vergangene Woche in den Turnhallen im Olympiapark. Die übrigen 240 wurden mit Bussen nach Brandenburg gebracht.

Der Zug wurde nachts erst ungewöhnlich kurzfristig angekündigt - er war eigentlich für ein anderes, bisher nicht bekanntes Bundesland bestimmt, das allerdings erklärt hatte, keine Kapazitäten mehr zu haben.

VERTEILZENTRUM IN SCHÖNEFELD
Um München zu entlasten, ist ein weiteres Verteilzentrum für Flüchtlinge in Schönefeld geplant. Bereits in den vergangenen Tagen waren dort Züge aus München mit hunderten Flüchtlingen angekommen, die dann auf Berlin und Brandenburg verteilt wurden.

GROSSER BAHNHOF ZU DDR-ZEITEN
Zu DDR-Zeiten war der Bahnhof Flughafen Schönefeld nach Lichtenberg der wichtigste Ost-Berlins. Fast alle Züge, die von und nach Süden fuhren, legten hier einen Stopp ein. Zudem war der Bahnhof ein Umsteigepunkt für den Regionalverkehr („Sputnik“-Züge). Entsprechend groß wurde die Station mit drei Fernbahnsteigen und einem für die S-Bahn ausgebaut. Für den heutigen Verkehr ist er überdimensioniert.

ILA-GELÄNDE IM GESPRÄCH

Der in den vergangenen Tagen erprobte Weg über Schönefeld hat sich bewährt. Deshalb verhandeln der Bund, Brandenburg und Berlin darüber, auf dem Gelände der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Selchow ein Verteilzentrum für Ostdeutschland als eine Art Drehkreuz einzurichten. Dann würden dort täglich Flüchtlinge ankommen und von dort auf die Ost-Bundesländer verteilt.

BUNDESWEHR KANN HELFEN
Die Bundeswehr soll das Drehkreuz unterstützen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, die Bundeswehr könne ohne Weiteres noch Personal für die Flüchtlingshilfe stellen. Rund 20 000 Flüchtlinge werden bereits an aktiven und ehemaligen Militärstandorten von der Bundeswehr versorgt. Abgesehen von polizeilichen und hoheitlichen Aufgaben könne die Bundeswehr Amtshilfe leisten, „so weit die Fantasie reicht“, so die Ministerin. Konkret bot sie an, beim Betrieb der in Schönefeld und im niedersächsischen Fallingbostel geplanten Verteilzentren zu helfen. Auch eine neue Unterkunft für etwa 70 Menschen kommt hinzu: eine Sporthalle, die zur General-Steinhoff-Kaserne am Flugplatz Gatow in Berlin-Spandau gehört.

BER und SXF: Geisterbahnhöfe am Flughafen Schönefeld
Mit dem Zug zum Flug. Das hier ist der Bahnhof "Flughafen Berlin-Schönefeld", ein hässlicher, aber doch markanter Bau. Durch das Gebäude läuft eigentlich kein Mensch, deshalb sollen die letzten Mieter im Herbst 2014 ausziehen, sagt ein Bahnsprecher. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden. Denn Bahnhof nutzen weniger als 10.000 Menschen am Tag.
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