Berlin : Auf drei Beinen zum Weltrekord

Der Leichtathletikverband feiert Jubiläum - mit einem historischen Lauf

Steffen Hudemann

Die Konstruktion hält dreißig Meter. Dann stolpert einer der Läufer. Das Band, das die Beine der beiden zusammengehalten hat, reißt. Oliver Zeuge und Patrick Fabian müssen ihr Training unterbrechen. Am heutigen Sonntag laufen die beiden 19- und 16-jährigen Leichtathleten vom TSV Tempelhof-Mariendorf gemeinsam gegen eine Bestzeit, die seit 108 Jahren Bestand hat: den inoffiziellen Weltrekord im 100-Meter-Dreibeinlauf. Bei dieser Disziplin werden die Beine zweier nebeneinander laufender Athleten so zusammen gebunden, dass sie zu zweit auf drei Beinen laufen müssen.

Heute kennt man den Dreibeinlauf allenfalls noch als Spiel auf Kindergeburtstagen, doch vor 100 Jahren, als Sportarten wie Tauziehen noch olympische Disziplinen waren, galt der Dreibeinlauf als ernst zu nehmender Sport. Anlass für das ungewöhnliche Rennen heute ist das 100-jährige Bestehen des Berliner Leichtathletikverbandes. Ab 12 Uhr werden im Friedrich - Ebert- Stadion (Bosestr. 21, Tempelhof) zunächst die offenen Berlin-Brandenburger Meisterschaften ausgetragen. Zum Abschluss des Festes startet um 17.50 Uhr der Dreibeinlauf.

Seit zwei Wochen haben Oliver und Patrick schon auf drei Beinen trainiert. Die anfänglichen Stürze bleiben inzwischen aus. Dass der Weltrekord wirklich in Gefahr gerät, ist aber eher unwahrscheinlich. Emil Wernicke und Ernst Schultze, die Rekordhalter aus dem Jahr 1896, benötigten für die 100 Meter 12 1/4 Sekunden. Eine Zeit, die viele Freizeitläufer auch auf zwei Beinen nicht erreichen würden. Wie Wernicke und Schultze den Rekord zustande brachten, darüber kann man nur rätseln. Vielleicht waren sie durch preußischen Militärdienst im Gleichschritt geschult, oder der Zeitnehmer hat sich einfach versehen. „Diese Zeit klingt heute ziemlich unglaublich“, staunt auch Trainer Patrick Reich. Er ist froh, wenn seine Sportler heil im Ziel ankommen.

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