Berlin : Auf Kurvenfahrt wie die „Krumme Pauline“

Der Damm der einstigen Schmalspurbahn dient heute als Radweg durchs westliche Havelland.

Glatt gemacht. Schön eben und abseits der Straßen führt der Radweg auf dem einstigen Bahndamm entlang. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Glatt gemacht. Schön eben und abseits der Straßen führt der Radweg auf dem einstigen Bahndamm entlang. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Volksmund zeigte sich bei Namen für Eisenbahnstrecken schon immer erfinderisch: „Rasender Roland“ auf Rügen, „Molli“ an der Ostseeküste, „Pollo“ in der Nähe von Pritzwalk, „Lößnitzdackel“ in Radebeul bei Dresden. Im westlichen Havelland erinnert kaum noch etwas an die „Krumme Pauline“, in manchen Heimatchroniken auch „Blindschleiche“ genannt. Alles, was von ihr blieb, ist ein schöner Radweg, denn auf dem einstigen Bahndamm liegt mittlerweile eine glatte Asphaltdecke. Gleise und Weichen wurden zwischen Rathenow, Senszke, Kotzen, Paulinenaue und Nauen schon kurz nach der endgültigen Stilllegung der letzten Teilstrecken im Jahre 1960 demontiert. Doch erst mit dem Aufschwung des Radtourismus in Brandenburg vor einigen Jahren reifte die Idee, die flache und gerade Strecke abseits der Straßen für radfahrende Ausflügler zu nutzen.

Die merken oft gar nicht, dass sie sich etwa zwischen Nauen und Ribbeck auf einer ehemaligen Bahntrasse fortbewegen. Wenn sie es dann doch durch Zufall erfahren, wundern sie sich oft über den Namen „Krumme Pauline“. Der stammt offenbar von der Kleinbahn „Stille Pauline“ ab, die einst als Zubringer aus dem Westhavelland nach Paulinenaue an der Hauptstrecke zwischen Berlin und Hamburg verkehrte. Von Paulinenaue war es offenbar nur ein kleiner Schritt bis zum Namen Pauline. Und auch für das Adjektiv „krumm“ gibt es eine einleuchtende Erklärung. Da die Planer der Kleineisenbahnstrecke vor 120 Jahren möglichst viele Dörfer erreichen sollten, wählten sie eine Streckenführung, die sich in vielen Bögen und Kurven durch die Landschaft schlängelt. Auf den Landkarten erschien die Bahn als reichlich krumm, und schon war der passende Name gefunden. In der Zeit nach der Stilllegung und der Demontage der Gleise in den 1960er Jahren sind nahezu alle Bahngebäude verschwunden. Während anderswo nach der Wende die Chance zur Wiederbelebung einzelner Strecken für Museumszwecke genutzt wurde, blieben alle alten Streckenpläne der „Krummen Pauline“ in den Archiven. Die Bezeichnung „Blindschleiche“ bedarf keiner Erläuterung: Das Tempo des Bähnchens war eher gemächlich. Ste.

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