Berlin : Auf Ribbeck wird das Geld knapp Schloss droht Zahlungsunfähigkeit

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Ribbeck - Es sollte ein Touristenmagnet sein, Theodor Fontanes Gedicht über „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und dessen Birnbaum versprach viel Aufmerksamkeit. Nach jahrelanger und 5,6 Millionen Euro teurer Sanierung eröffnete Schloss Ribbeck bei Nauen im Sommer 2009 mit großem Feuerwerk als kulturtouristisches Zentrum, geführt von einer Gesellschaft des Landkreises Havelland. Doch die ist schon nach drei Jahren in finanzieller Schieflage. Das Konzept ging nicht auf. Nach einer Wirtschaftsprüfung stellte Landrat Burkhard Schröder (SPD) jetzt fest: „Die Zahlungsfähigkeit ist erstmals infrage gestellt.“ Obwohl die Zuschüsse aufgestockt wurden, reicht das Geld nicht aus, der Jahresbeitrag ist bereits aufgebraucht. Es soll ein Defizit im sechsstelligen Bereich geben.

Bereits Ende vergangener Wochen zog der Landrat die Reißleine und beurlaubte den bisherigen Geschäftsführer. „Wir haben festgestellt, dass er einen zu einseitigen Schwerpunkt auf die kulturelle und künstlerische Ausrichtung gelegt hat und dabei das wirtschaftliche Führen außen vor ließ“, sagt Kreissprecher Erik Nagel. Die Verwaltung strebe an, dass der Betrieb des Schlosses, abgesehen von Projektzuschüssen für einzelne Veranstaltungen, mittelfristig kostendeckend arbeiten müsse. Neuer Schlosschef ist der Justiziar des Kreises. Der Verwaltungsbeamte Robert Cardeneo kündigte ein striktes Krisenmanagement an – „leider mit allen Konsequenzen“. Jetzt wird über Sparmaßnahmen nachgedacht. Das Kultur- und Gastronomieprogramm soll zunächst aber fortgesetzt werden.

Das Schloss, das an der Stelle des von Fontane bedichteten Herrenhauses im Jahr 1893 errichtet wurde, diente bis 2004 als Seniorenheim. Es beherbergt ein Museum zu Theodor Fontane, ein Parkcafé, ein Restaurant, das Standesamt und verschiedene elegante Salons für Veranstaltungen wie Konzerte. Die Familie von Ribbeck scheiterte nach der Wende mit Rückgabeanträgen für das Schloss, richtete aber aus der Entschädigung den Kutsch-Pferdestall für sich als Wohnhaus her. In der alten Brennerei stellt sie Brennessig und Essigliköre her – auch aus Birnen. Alexander Fröhlich

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