Berlin : Augen auf

Odyssee beendet: Die Berlinische Galerie ist eröffnet

Bernd Matthies

Auf dem Podium stand eine Bierflasche mit zwei gelben Rosen. Klaus Wowereit, der Eröffnungsredner, stellte sie auf den Boden, um ein besseres Sichtfeld zu haben. Thomas Flierl, der nach ihm kam, nahm sie wieder hoch, Lachen im Publikum. Doch dass Flierl mit dieser Geste richtig lag, stellte sich erst später heraus. „Diese gelben Rosen in der Flasche werden hier immer auf dem Podium stehen“, sagte Jörn Merkert, der Direktor der Berlinischen Galerie, „sie sind ein Bildzitat“. Und zwar aus einem Porträt, das Merkerts Vorgänger Eberhard Roters zeigt.

Sonst lief alles glatt am Freitag bei der Eröffnung des neuen Museumsbaus in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg. Merkert sprach mit deutlich hörbarer Rührung in der Stimme über den Bau des Museums, den er seit Jahren mit größter Energie vorangetrieben hat, und er lobte alle Beteiligten, voran die Verwaltungen. „Ich habe den Amtsschimmel nicht ein einziges Mal wiehern hören“, sagte er, alle hätten an einem Strang gezogen.

Kultursenator Flierl erinnert an die Geschichte des Museum, das Eberhard Roters im September 1975 gegründet hatte. Die Sammlung war viele Jahre im Gropiusbau untergebracht, musste dort aber vor acht Jahren ausziehen und lagert seitdem überwiegend im Depot, von Ausstellungen im Kunstforum der Grundkreditbank abgesehen; Pläne für die Unterbringung im Postfuhramt und der Schultheiss-Brauerei waren geplatzt. Für Flierl ist der Neubau dennoch zu einem „Mikrokosmos der Einheit“ geworden, denn die Galerie habe durch fortlaufende Einkäufe auch das Vertrauen der Künstler aus dem Osten gewonnen.

Alfons Doblinger, dessen Dibag-Industriebau das ehemalige Kreuzberger Glaslager Museum innerhalb von einem Jahr zum vorab vereinbarten Fixpreis von 18,7 Millionen Euro umgebaut hat, teilte mit, es sei sogar noch ein wenig Geld übrig geblieben, „dafür haben wir Bücher fürs Museum gekauft“.

Klaus Wowereit betonte in seiner Eröffnungsrede, man habe es durch vereinte Anstrengungen geschafft, Berlin attraktiver zu machen, und es gebe zu dieser Eröffnung „nur Gewinner“. Sich selbst nahm er dabei unter einem Aspekt aus: Rainer Fettings großformatiges, dramatisches Gemälde „Schlagzeuger und Gitarrist“, das nun einen wichtigen Akzent in der Schau setzt, hatte lange als Leihgabe in seinem Arbeitszimmer gehangen: „Ich habe es nur sehr ungern wieder hergegeben.“

Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend 12 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr.

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