• Aus der Zelle ins Studio Noch sitzt Tarkan Karaalioglu alias MOK im Knast Sony hat den Rapper unter Vertrag genommen

Berlin : Aus der Zelle ins Studio Noch sitzt Tarkan Karaalioglu alias MOK im Knast Sony hat den Rapper unter Vertrag genommen

Annette Kögel

Der Mann war schon früh im Fernsehen – als Straftäter bei „Aktenzeichen XY ungelöst“. Heute spielt MTV seine Videos, und der Plattenkonzern Sony/BMG vertreibt seine Tonträger. Eine wahrhaft ungewöhnliche Karriere, die Tarkan Karaalioglu alias MOK da hinlegt. 30 Jahre ist er alt, acht davon hat er im Gefängnis verbracht. Bis November muss der gebürtige Neuköllner noch sitzen, dann liegt die letzte Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten hinter ihm.

Der Künstlername MOK bedeutet „Musik oder Knast“ – inzwischen ist ihm klar, dass nur noch der erste Begriff sein Leben prägen soll. Gerade erschien sein Album „Hustler“. Für das Video zum Lied „Big Boss“ konnte er den befreundeten Schauspieler Oktay Özdemir als Co-Darsteller gewinnen.

Als junger Mann lebte Knast-Künstler MOK in Kreuzberg und lenkte sein kreatives Potenzial in kriminelle Bahnen. Seine Eltern setzten ihm zu wenig Grenzen, sagt MOK heute, und „in Gangs wie den ,36 Boys' gab es dann wiederum eine extrem strenge Hierarchie, die haben uns gehalten wie kleine Soldaten“. Sein Bruder wurde bei einer Auseinandersetzung vor seinen Augen erschossen. Damals besprühte Tarkan Züge, brach in Supermärkte ein. Raub und Körperverletzung kamen hinzu, 2002 wurde er per Haftbefehl wegen schweren Bandendiebstahls gesucht und von SEK-Beamten festgenommen. Er war in München-Stadelheim und Tegel inhaftiert, inzwischen sitzt er in Plötzensee in einer Doppelzelle, im offenen Vollzug.

Im Gefängnis absolvierte der gelernte Schilder- und Lichtreklamengestalter eine Zusatzausbildung zum Tontechniker und schrieb weiter seine Songs. „Inzwischen habe ich 16 Stunden Freigang am Tag, gehe dann im Hiphop-Laden Downstairs jobben und ins Tonstudio.“ Jetzt sitzt er in einem Café in Friedenau. Seine Haut sieht nicht gut aus, er hat Schuppenflechte. Das sei der Stress gerade, sagt MOK. Tagsüber fährt er häufig zu Auftritten mit Sido, mit dem singt er in der Band „Die Sekte“. Abends geht es wieder in den Knast.

„Ich blick zurück mit 'nem Stechen in der Brust. Es fällt schwer mit der Vergangenheit zu brechen doch ich muss“, singt MOK im Lied „Big Boss“. Er will damit brechen, bekräftigt der junge Vater, auch seiner Frau zuliebe, die die ganzen Jahre zu ihm hielt. „Früher habe ich Drogen verkauft, heute deale ich mit CDs. Jetzt werde ich ein Star, und ich kann ja nicht gleichzeitig positives Vorbild sein und Autos knacken.“ Und: „Ich werde jetzt sorgenfrei bleiben“, sagt MOK. Er hat sein eigenes Label „Ersböserjunge“ bei Sony/BMG begründet und will außerdem einen Internet-Vertrieb für Hiphop-Merchandising aufbauen. Und andere vor der Knastlaufbahn warnen: „Ich rappe über mein Leben, bin die Blaupause für euch Freaks“, lautet eine Zeile in „Big Boss“.

Immerhin hat MOK mehr Mixed-Kassetten, Hiphop-Projekte und Musiktapes vollbracht als Straftaten begangen. Aber wie erfolgreich er auch immer sein wird, er weiß, dass ihn die Knast-Karriere sein Leben lang verfolgen wird. Seine Sozialarbeiterin im Knast sei einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben, sagt MOK. Dann muss er wieder los, zurück hinter Gitter. Annette Kögel

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