Berlin : Ausgezeichnete Berliner

Anlässlich des Tags der Einheit ehrte der Bundespräsident engagierte 50 Bürger bei einem Festakt im Schloss Bellevue mit dem Verdienstorden. Sieben davon, die einen Bezug zu Berlin haben, stellen wir hier vor.

Cay Dobberke

BerlinFast jeder dritte Deutsche sei ehrenamtlich tätig, lobte Bundespräsident Horst Köhler am Donnerstag. Es gebe „viel Bereitschaft zum Engagement und viel Bürgersinn“, dadurch werde Deutschland liebens- und lebenswert. Der Staat könne den freiwilligen Einsatz zum Wohl der Gemeinschaft zwar nicht verordnen, aber fördern und Dankbarkeit zeigen. Und dies tat der Bundespräsident jetzt anlässlich des 17. Jahrestags der Deutschen Einheit: Zusammen mit seiner Frau Eva Luise zeichnete er im Großen Saal des Schlosses Bellevue insgesamt 50 Bürger aus allen Bundesländern mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.

Zu den Geehrten gehörten zum Beispiel der Astronaut Thomas Reiter, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt oder der ehemalige Finanz- und Wirtschaftsminister und heutige Kuratoriumsvorsitzende der ZEIT-Stiftung, Manfred Lahnstein. Ingeborg Schäuble, die Ehefrau des Bundesinnenministers, wurde als langjährige Vorsitzende der Welthungerhilfe gewürdigt. Aus der Hand von Köhler erhielten außerdem Ärzte, Künstler, Kommunalpolitiker, Kirchenleute, Hochschulprofessoren, Wissenschaftler sowie Betreuer von Kindern, Behinderten und Senioren die Verdienstorden und dazugehörigen Urkunden. Der ARD-Journalist Rolf Seelmann-Eggebrecht verlas kurze Laudatien, danach gab es im Schloss noch einen Stehempfang. Sieben der Ordensträger, die in Berlin wohnen oder einen langjährigen Bezug zur Stadt haben, stellen wir hier vor:

Monika Hesse

Die Theologin, Franziskanerin und gelernte Kinderkrankenschwester gründete 1998 das „Kinderhaus Sonnenblume“ im Bernauer Ortsteil Schönow, das Frauen und Jugendlichen in Krisensituationen hilft. Aufgenommen werden Schwangere und Mütter mit Säuglingen, aber auch Neugeborene und Säuglinge, deren Mutter unbekannt ist oder sich nicht um ihr Kind kümmert. Bei Bedarf werden Mütter anonym betreut. „Wir helfen ohne Versicherungsnachweise, ohne Kostenübernahmeschein und unabhängig von Ämtern und Behörden“, heißt es auf der Internetseite (www.kinderhaus-sonnenblume.de). Bundespräsident Köhler betonte, „gelebte Nächstenliebe für die Hilfsbedürftigen“ sei zur Lebensaufgabe von Monika Hesse geworden. In Berlin wurde die 50-Jährige bereits vor einigen Jahren bekannt: Zuerst betreute sie kranke und alte Menschen, dann initiierte sie die Obdachlosenhilfe und Suppenküche im Franziskanerkloster an der Wollankstraße.

Wolfgang Huber

Der Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde vom Bundespräsidenten als „einer der führenden Theologen in Deutschland“ gewürdigt. Er treffe „in seinen Analysen zielsicher den Kern des Problems und zeigt die ethisch gebotenen Alternativen auf“. Schon als Wissenschaftler und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages habe Huber wichtige Diskussionen angestoßen. Der 65-Jährige „streitet weiterhin dafür, dass das Miteinander aller von tiefer Menschlichkeit und Nächstenliebe bestimmt wird“, beziehe bei gesellschaftspolitischen Debatten „gut begründet und unmissverständlich“ Stellung und verleihe so der Evangelischen Kirche Gesicht und Profil.

Wolfgang Kohlhaase

Der 76-Jährige gilt als einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren der ehemaligen DDR und wurde auch als Regisseur und Schriftsteller bekannt. Aus seiner Feder stammen rund 30 Drehbücher für Filme, die sich „durch Lebensnähe und Authentizität auszeichnen“, wie der Bundespräsident hervorhob. Kohlhaases Film „Solo Sunny“ erhielt auf der Berlinale 1981 den Goldenen Bären und machte ihn über Deutschland hinaus bekannt. 2005 schrieb er das Buch zu „Sommer vorm Balkon“ und erhielt dafür beim Internationalen Filmfestival in San Sebastian den Preis für das beste Drehbuch. „Er bereichert das deutsche Filmschaffen seit über 50 Jahren und leistet einen wichtigen Beitrag zur kritischen Reflexion von Geschichte und Gegenwart unseres Landes vor und nach der Wiedervereinigung“, so Köhler. Gestern war Kohlhaase nicht dabei, er hat die Ehrung aber bereits angenommen.

Johann-Wolfgang Landsberg-Becher

Der Umweltforscher und -pädagoge, Jahrgang 1943, widmet sich seit langem dem Umweltschutz. In den 80er Jahren war er als Grünen-Politiker in der Bezirksverordnetenversammlung Wilmersdorf für Bauen und Umwelt zuständig und forderte von der Schulverwaltung mehr Umweltbildung und Naturerfahrung. Seit elf Jahren leitet er ehrenamtlich die Stiftung Naturschutz Berlin. „Unter seiner Ägide wurde sie zu einer wichtigen und geachteten Einrichtung“, steht in der Begründung zur Ordensverleihung. Die Stiftung ist am Projekt „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ beteiligt, verleiht den Berliner Naturschutzpreis und fördert Projekte.

Arend Oetker

Der 68-jährige Urenkel des Lebensmittelkonzerngründers August Oetker leitet eine nach ihm benannte Holding, die vor allem für Marmelade der Marke Schwartau bekannt ist. Den Verdienstorden erhielt Oetker, weil er sich „seit über drei Jahrzehnten in zahlreichen Ehrenämtern für Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Kultur und auswärtige Beziehungen engagiert“. Oetker ist Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik; bis 2005 führte er fünf Jahre lang zudem den Verein Atlantik-Brücke, der die deutsch-amerikanischen Beziehungen fördert. In Berlin gehört Oetker dem Kuratorium des Vereins der Freunde der Nationalgalerie und dem Aufsichtsrat der Philharmonie an.

Klaus Staeck

Der 69-jährige Künstler und Verleger ist seit dem Frühjahr 2006 Präsident der Akademie der Künste, er pendelt zwischen Heidelberg und Berlin. Aus Sicht des Bundespräsidenten gehört Staeck seit Jahrzehnten zu den Persönlichkeiten, die „ihre Kreativität intensiv, kritisch, witzig, kontrovers, konstruktiv und überaus engagiert für die Ideale einer sozialen und humanen Demokratie einsetzen“. Mit „preußischem Pflichtgefühl“ stelle er sich den Herausforderungen des Amtes in turbulenten Zeiten. Staeck gehe es darum, die Akademie in der Öffentlichkeit präsenter zu machen und sich zusammen mit anderen Künstlern in gesellschaftliche und politische Debatten einzumischen.

Christian Tomuschat

Der emeritierte Professor für öffentliches Recht, Völker- und Europarecht an der Humboldt-Universität sei „einer der herausragendsten Völkerrechtler unseres Landes“ und werde weltweit geschätzt, sagte Köhler in seiner Würdigung. Dies hätten unter anderem seine Lehraufträge am Internationalen Gerichtshof in Den Haag, an ausländischen Unis und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz gezeigt. Tomuschat wurde geehrt für seinen „beständigen Einsatz für die Würde der Menschen, das Recht und den Frieden sowie sein Wirken in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien“. Für den 71-Jährigen ist es schon die zweite Auszeichnung in diesem Jahr: Im Mai erhielt er den Orden „Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste“.

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