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Ausländerbehörde Berlin : Integrationslotsin soll doch bleiben dürfen

Einer 27-jährigen Inderin, die in Treptow-Köpenick als Integrationslotsin arbeitet, droht die Ausweisung. Nach einer Petition und vielen Protesten meldet sich nun auch der zuständige Innensenator.

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Simran Sodhi arbeitet als Integrationslotsin. Jetzt droht ihr die Ausweisung.
Simran Sodhi arbeitet als Integrationslotsin. Jetzt droht ihr die Ausweisung.Foto: C. Antonakos-Wallace/Wings & Roots

Als die Geschichte von Simran die Runde machte, gab es viel Kritik. Die erste und einzige Integrationslotsin im Bezirk Treptow-Köpenick sollte abgeschoben werden. Die 27-jährige Inderin Simran Sodhi kam vor sechs Jahren nach Berlin und studierte Europäische Ethnologie an der Humboldt Universität. Nach ihrem Masterabschluss trat sie Anfang des Jahres eine neu geschaffene Stelle als Integrationslotsin für Migranten in Treptow und in Köpenick an. Eine Premiere.


„Überqualifiziert für diese Tätigkeit“, urteilte aber die Ausländerbehörde. Das Amt weigerte sich, Sodhi eine weitere Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis auszustellen und schickte ihr einen Abschiebebescheid. Drei Wochen hatte Simran Sodhi Zeit, um Deutschland zu verlassen. Falls sie sich weigere, könnten „Zwangsmaßnahmen“ angewendet werden, stand im Bescheid. „Im Kopf hatte ich schon meine Koffer gepackt, ich hatte Panik“, sagt Sodhi. Doch dann wollte die Inderin zusammen mit ihren Freunden für ihr Bleiberecht kämpfen. Ein Verein reichte im Internet eine Petition ein. Bis Dienstagmittag kamen rund 27 000 Unterschriften zusammen.

Öffentlicher Druck, der sogar an Innensenator Frank Henkel (CDU) nicht vorbeiging. Nach dieser Empörung schaltete er sich am Dienstag als zuständiger Senator für die Ausländerbehörde in die Diskussion ein. Er ließ per Pressemitteilung wissen, dass er sich nach Akteneinsicht für eine Lösung im Sinne von Simran Sodhi einsetzen wolle. „Das muss jedoch im Einklang mit der geltenden Rechtslage erfolgen“, sagt Henkel. Er kommt damit zu einem anderen Ergebnis als die Ausländerbehörde. Die hatte den Fall geprüft und befunden, dass das öffentliche Interesse darin liege, dass Sodhi Deutschland verlassen soll. Diese Auslegung brachte der Behörde viel Kritik ein. Zuerst hatten sich Politiker aus dem Bezirk für ein Bleiberecht für Simran eingesetzt mit dem Verweis auf die besondere Aufgabe als Lotsin. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) gab auch ihr Unverständnis zu Protokoll: „Die Ablehnung des dauerhaften Aufenthalts der Inderin darf nicht mit dem mangelnden öffentlichen Interesse an der Arbeit der Integrationslotsinnen begründet werden“, sagte Kolat am Montag.


Die Ausländerbehörde muss nun auf Anordnung von Henkel den Fall neu prüfen, diesmal mit der Tendenz, eine Lösung für den Verbleib von Sodhi in Berlin zu finden. Die Betroffene selbst zeigte sich erleichtert, und kündigte an, sich zunächst mit ihrem Anwalt zu beraten. „Ich bin optimistisch, aber noch ein wenig nervös“, sagte Sodhi, nachdem sie von der Initiative des Innensenators erfuhr.

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