Berlin : Aussicht nur mit Eintritt: Zaun um Marzahner Kienberg?

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Eintrittspflicht für den Blick vom Kienberg? Wenn es nach der Grün Berlin Park & Garten GmbH geht, könnte dies bald Wirklichkeit sein. Die Gesellschaft, die auch den angrenzenden Erholungspark Marzahn an der Eisenacher Straße verwaltet, möchte zusätzlich das etwa 30 Hektar große Areal des Kienbergs übernehmen. "Das sind keine neuen Pläne. Die Idee, beide Gelände miteinander zu verbinden, gab es schon zu DDR-Zeiten", sagt Geschäftsführer Hendrik Gottfriedsen. Sie sei bislang aber nicht umgesetzt worden, weil engagierte Tierschützer, Anwohner und Politiker das Projekt verhinderten.

Doch auch der erneute Versuch der Grün Berlin GmbH stößt auf großen Widerstand. "Es kann doch nicht sein, dass man für einen Blick vom Kienberg Geld bezahlen muss", sagt Camillo Kitzmann vom Naturschutzbund Deutschland. Er befürchtet außerdem durch eine intensivere Nutzung des rund 100 Meter hohen Berges, dass wertvolle Biotope zerstört werden. Schließlich lebten in dem unmittelbar am Flüsschen Wuhle gelegenen Gelände Braunkehlchen, Rohrweihen, Neuntöter und Wachtelkönige. Zudem würde das Wuhletal an dieser Stelle regelrecht zerschnitten. Die Naturschützer betonen andererseits, dass sie nicht gegen eine "regelmäßige Pflege des Kienbergs sind", wohl aber gegen die Einzäunung des Areals. Sie haben deshalb beim Bezirk und beim Senat gegen die Absichten der Gesellschaft protestiert.

Der zuständige Stadtrat Heinrich Niemann (PDS) betont, dass für das Gebiet ein Bebauungsplan gilt, in dem die öffentliche Zugänglichkeit des Standortes festgeschrieben sei. Ansonsten möchte sich der Politiker erst zu den Plänen der GmbH äußern, wenn ihm ein Konzept zum Kienberg vorliegt.

Warum die Grün Berlin GmbH, die auch für den Britzer Garten zuständig ist - zusätzlich den Kienberg verwalten möchte, lässt sich mit wirtschaftlichen Gründen erklären. "Wir wollen die Attraktivität des Erholungsparks insgesamt steigern", sagt der Geschäftsführer. So würden unter anderem die ausgeschwemmten Wege des in den 70er Jahren aufgeschütteten Bauschutt-Berges erneuert. Jetzt sei der Hügel in einem schlechten Zustand. Wer allerdings künftig etwas bezahle, könne bei einem Spaziergang auf ordentlichen Wegen die Aussicht genießen. "Wir hoffen, dass wir den Bezirk davon überzeugen", sagt Gottfriedsen. Doch um jeden Preis wolle man das Gelände nicht übernehmen. Sollten sich die Fronten verhärten, bleibe eben alles beim Alten.

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