Berlin : Baden in zwölf Berliner Seen verboten

Senat setzt EU-Richtlinien zur Gewässerreinheit um. Wer trotzdem ins Wasser geht, riskiert ein Bußgeld

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Aus Angst vor Bußgeldern aus Brüssel hat Berlin das Baden in zwölf Badeseen dauerhaft verboten – darunter der Grunewald und der Halensee. Alle Gewässer, bei denen die Wasserqualität nach EU-Vorschriften nicht garantiert werden kann, wurden aus der Badegewässerverordnung gestrichen. Damit gilt hier ein generelles Badeverbot. Der Senat muss deshalb auch den Verschmutzungsgrad dieser Seen nicht mehr regelmäßig prüfen und die Werte nach Brüssel melden.

Die EU-Richtlinien für die Qualität von Badegewässern gelten zwar schon lange, aber erst jetzt scheint Brüssel sie auch anwenden zu wollen, fürchtet der Senat. Für jeden Tag, den die Verschmutzungen über den Maximalwerten liegen, könne Brüssel ein Bußgeld in fünfstelliger Höhe gegenüber der Bundesregierung verhängen, das diese sicherlich an Berlin weiterreichen werde, sagte der Sprecher des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und technische Sicherheit (Lagetsi), Robert Rath. Deshalb verbot der Senat kurzerhand das Baden an zwölf Stellen: im Arkenberger See (Pankow), im Halensee und Grunewaldsee (Wilmersdorf), in der Havel Am Schildhorn (Wilmersdorf) und dem Stößensee (Spandau), dem Jungfernheideteich (Charlottenburg) – nicht zu verwechseln mit dem Freibad Jungfernheide, dessen Wasserqualität als „ausgezeichnet“ eingestuft ist –, in den drei Kaulsdorfer Seen (Hellersdorf), dem Biesdorfer Baggersee (Marzahn), im Müggelsee am Spreetunnel (Köpenick) und in der Müggelspree an der Badestelle Hirschgarten (Köpenick).

Wer trotzdem badet und erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen. Wie das Badeverbot überwacht werden soll, ist derzeit allerdings völlig ungeklärt. Vor allem am bei Nacktbadern beliebten Halensee werden die Badeverbotsschilder vermutlich wenig bewirken – vor allem weil die Liegewiese nach wie vor zum Sonnenbaden frei, der Sprung ins Wasser aber untersagt ist. Zuständig für die Einhaltung des Verbots sei hier der Bezirk, sagte Rath.

Alle zwei Wochen misst der Senat die Wasserqualität an den Badestellen, Sorgenkind war der Halensee schon in der Vergangenheit. Vergangenen August wurde er sogar kurzfristig gesperrt, weil die Konzentration an Fäkalkeimen den Grenzwert überschritten hatte. Nach wenigen Tagen reguliere sich das Gewässer von selbst, sagte Rath. Die gesundheitsgefährdenden Verschmutzungen treten meist nach Regen auf, wenn der Dreck, der sich am Ufer gesammelt hat, ins Wasser gespült wird. Chemische Verunreinigungen seien dagegen in den Gewässern sehr selten. Der beliebte und stark frequentierte Halensee soll laut Rath vom Spätsommer an saniert werden. Rund um das Gewässer sei der Bau einer Kanalisation geplant, die das Regenwasser und den mitgeführten Dreck aufnehmen soll.

Mehr dazu im Internet:

www.badegewaesser.berlin.de

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