Bahnhof Friedrichstraße : Plan oder Pfusch?

Nach dem Absturz eines Betonbrockens im Bahnhof Friedrichstraße ist die Ursache weiter unklar. Nun ermittelt das Landeskriminalamt – und das Gerüst könnte noch eine ganze Weile stehen bleiben.

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Es war reiner Zufall, dass nichts passiert ist, als im Dezember im Bahnhof Friedrichstraße ein Betonbrocken von der Decke brach und in die Haupthalle stürzte. Trotzdem ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) jetzt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Ein weiteres Verfahren gibt es wegen „Baugefährdung.“ Die zunächst ermittelnde Bundespolizei, die für Anlagen der Bahn zuständig ist, habe die Akten dem LKA weitergeleitet, sagte eine Sprecherin. Wann im Bahnhof die Schutzgerüste verschwinden, ist noch völlig ungewiss. Die Bahn hofft, die Arbeiten Ostern abschließen zu können.

Am 13. Dezember hatte sich ein vermutlich rund 25 Kilogramm schwerer Betonbrocken von der fast sieben Meter hohen Decke gelöst. Er hatte die in rund dreieinhalb Meter Höhe angebrachte Rigips-Zwischendecke durchschlagen und war nur wenige Meter neben Passanten auf den Fußboden geknallt und zerbrochen. Inzwischen weiß die Bahn, dass bei der 1998 abgeschlossenen Grundsanierung des Bahnhofs falsch gebaut worden ist – ob nach Plan oder durch Pfusch sei noch nicht geklärt, sagte der Leiter des Bereichs Bau bei der Bahn, Hilmar Barthel, am Mittwoch.

Fest stehe, dass ein Lager, das die Stahlkonstruktion für die Bahnsteigplatten trägt, mit Beton umgeben worden war. Dadurch vergrößerte sich der Druck auf die Konstruktion. Bei der Durchfahrt der Züge, aber auch durch die Schritte der Fahrgäste auf dem Bahnsteig, gibt es Erschütterungen, die schließlich dazu führen, dass sich der Beton lockerte und ein Teil abbrach. Die Statik sei dadurch nicht beeinträchtigt, hieß es gleich nach dem Absturz des Betonbrockens.

Betonbrocken im Bahnhof Friedrichstraße durch die Decke gestürzt
Gerüstbauer an der Unglücksstelle.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Marc Röhlig
13.12.2012 14:05Gerüstbauer an der Unglücksstelle.

Insgesamt gibt es unter den vier Gleisen für den Fern- und Regionalverkehr 244 solche Lager. Wie viele davon falsch angebracht sind, kann die Bahn noch nicht sagen. Die Untersuchungen werden erst Ende des Monats abgeschlossen sein, sagte Barthel. Und dann muss der zusätzliche Beton entfernt werden. Die Lager sind nur über Gerüste zu erreichen. Einige wenige lassen sich auch durch Luken vom Bahnsteig aus kontrollieren. Andere seien zum Teil nur schwer zugänglich, was die Arbeit erschwere. Nur von wenigen Lagern sei der Beton bereits entfernt worden.

Weil die Arbeiten bei der Sanierung in den Neunzigerjahren in mehrere Bereiche aufgeteilt waren, die von verschiedenen Firmen ausgeführt wurden, hofft Barthel, dass nicht durchgängig alle 244 Lager einbetoniert worden sind. Sonst könnten sich die Arbeiten in die Länge ziehen.

Auch zu den Kosten lasse sich deshalb noch nichts sagen. Allein das Aufstellen der Schutzgerüste habe rund 100 000 Euro verschlungen, sagte Barthel. Auch für den Fall, dass sich ein Schuldiger ermitteln ließe, lasse sich finanziell wahrscheinlich nichts mehr holen: Die Ansprüche nach dem Baurecht sind bereits verjährt. Dies gilt aber nicht für die strafrechtlichen Ermittlungen des Landeskriminalamts. Die Gerüste und Absperrungen waren zunächst nur entlang des Gleises, an dem der Schaden aufgetreten war, angebracht worden. Erst fünf Tage später wurden alle vier Gleise in den Schutz einbezogen. Erst dann sei klar gewesen, dass alle Bereiche betroffen sein könnten, sagte Barthel.

Die Gerüste und Absperrungen stehen seither auch in einem Teil der Geschäfte und engen dort die Verkaufsflächen ein. Der Drogeriemarkt musste ganz schließen, weil dort das Lager für die Bahnsteigplatte direkt über dem Eingang liegt. Wegen Schadenersatzzahlungen liefen Gespräche, sagte der Leiter der Berliner Bahnhöfe, Patrick Malter.

Unabhängig von der jetzigen Sanierung wird der Bahnhof im nächsten Jahr wieder zur Baustelle. Dann wird eine neue Zwischendecke eingezogen – um eine neue Lautsprechertechnik und zusätzliche Sprinkler einbauen zu können, kündigte Barthel an. Dann werde es auch mehr Kontrollluken geben, um mögliche Schäden schneller erkennen zu können. Dies sei schon vor dem Absturz geplant gewesen.

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