Bald ist 1. Mai : Der Aufruhr hat schon begonnen

Internet-Parolen, brennende Autos: Die linke Szene macht vor dem 1. Mai weit stärker mobil als zuvor. Ihr Thema heißt: Gentrifizierung. Und das Guggenheim-Lab war offenbar erst der Anfang.

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Feindbilder. Nach dem Guggenheim-Lab wollen linke Aktivisten auch eine Wohnbebauung auf dem Kreuzberger Grundstück verhindern.Alle Bilder anzeigen
Foto: Heinrich
01.04.2012 18:07Feindbilder. Nach dem Guggenheim-Lab wollen linke Aktivisten auch eine Wohnbebauung auf dem Kreuzberger Grundstück verhindern.

So früh rollte die Welle aggressiver Aufrufe in den vergangenen Jahren nicht an: Die linksextreme Szene läuft sich offenbar bereits warm für den 1. Mai, möglicherweise beflügelt durch den vermeintlichen „Sieg“ über das Guggenheim-Lab, das nun doch nicht nach Kreuzberg zieht. Bereits an diesem Wochenende wurden zahlreiche Parolen im Internet veröffentlicht, und erstmals wieder seit längerer Zeit standen in der Nacht zu Sonntag in Prenzlauer Berg zwei BMW in Flammen. Ein nach eigenen Angaben „loser Zusammenschluss von Menschen“ wirbt für „Insurrection Days“, also „Tage des Aufruhrs“, in der Woche vor dem 1. Mai. Dabei sei es egal, ob man „einen Bundesstaatsanwalt kidnappt oder das erste Mal bei Aldi klauen geht“. Begründet wird diese dezentrale Taktik so: „Am 1. Mai wissen die Bullen, wann und wo es knallen könnte, und waren in den letzten Jahren bestens darauf vorbereitet. Die Nächte und Tage davor wollen wir uns jedoch selbst gestalten“ – und zwar „mit feuriger Wut“. Konkret wird zum Zerstören von Überwachungskameras an Gebäuden aufgerufen. Im Internet kursiert eine Liste mit Standorten.

Für die Polizei bedeutet dies, schon eine Woche vor dem 1. Mai deutliche Präsenz zeigen zu müssen. Erstmals nach vielen Jahren ist in diesem Jahr ein CDU-Politiker Innensenator, thematisiert wird dies in der Szene jedoch nicht, auch wird sich die Taktik der Polizei deshalb nicht ändern. Wie in den Vorjahren werden 6000 bis 7000 Polizisten im Einsatz sein. Erschwert wird die Lage durch den Sport: Am 29. April trifft der 1. FC Union in Berlin auch auf den FC Hansa Rostock. Alleine für dieses Hochrisikospiel zwischen den Clubs mit ihren verfeindeten Fangruppen müssen mehr als 1000 Polizisten eingeplant werden – die dann anderswo fehlen. Dem Vernehmen nach versuchen die Sicherheitsbehörden, eine Verlegung des Spiels zu erreichen, groß ist die Hoffnung aber nicht.

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Kreuzberg ohne Denkfabrik
Kreuzberg ohne Denkfabrik

Zu den Internetaufrufen des Wochenendes gehört auch der Drohbrief einer neuen Gruppe namens „Standortrisiko“, gerichtet an die Eigentümer des Grundstücks an der Schlesischen Straße in Kreuzberg, auf dem das Guggenheim-Lab entstehen sollte. „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass aus Ihren hochtrabenden Plänen nichts werden wird“, heißt es darin, und weiter: „Wir werden eine öffentliche, für alle zugängliche, nichtkommerzielle Nutzung durchsetzen.“ Eine Münchener Immobilienfirma plant dort einen Luxusneubau. Der Name „Standortrisiko“ spielt auf eine Äußerung von Innensenator Frank Henkel (CDU) im Tagesspiegel an, der nach dem Aus für das Kreuzberger Guggenheim-Lab die „Chaoten“ so bezeichnet hatte.  

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