• Barrierefreiheit im Berliner Nahverkehr: Bis 2023 sollen alle Bahnhöfe einen Aufzug haben

Barrierefreiheit im Berliner Nahverkehr : Bis 2023 sollen alle Bahnhöfe einen Aufzug haben

Der letzte Bahnhof soll erst 2023 barrierefrei zugänglich sein. Das ärgert viele Fahrgäste. Lob gibt es für das hilfsbereite Personal bei BVG und S-Bahn.

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Vorsicht Stufe. Die geräumigen S-Bahn-Züge sind eigentlich günstig für Rollstuhlfahrer. Aber viele sind auf eine Rampe angewiesen.
Vorsicht Stufe. Die geräumigen S-Bahn-Züge sind eigentlich günstig für Rollstuhlfahrer. Aber viele sind auf eine Rampe angewiesen.Foto: picture alliance / Robert Schles

Berlin ist doch nicht so schlecht. Beschwerden über unfreundliches Personal im Nahverkehr waren in der Tagesspiegel-Aktion, zu der Chefredakteur Lorenz Maroldt im Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“ aufgerufen hatte, selten. Häufiger moniert wurden in den Zuschriften die fehlenden Aufzüge in den Bahnhöfen der S- und U-Bahn, die die barrierefreie Fahrt verhindern. Oder defekte Anlagen, die tagelang nicht repariert worden waren. Bis alle Stationen schwellenfrei zugänglich sein werden, wird es allerdings noch Jahre dauern.

Anlass für die Aktion war ein Checkpoint-Bericht in der vergangenen Woche über einen S-Bahn-Fahrer, der sich nach Angaben von Zeugen im Bahnhof Potsdamer Platz geweigert haben soll, einen Rollstuhlfahrer mitzunehmen – mit der Bemerkung, er könne nichts dafür, dass der Mann im Rollstuhl sitze. Ein S-Bahnsprecher widerspricht dieser Version: Der Fahrer habe glaubhaft versichert, es habe keinen Kontakt mit einem Fahrgast gegeben. Einen Rollstuhlfahrer habe er nicht gesehen. Wäre es anders, gäbe es zumindest eine Abmahnung, sagte der Sprecher weiter.

2023 erst will die S-Bahn fertig werden

In den meisten Zuschriften lobten die Betroffenen das Verhalten des Personals; vor allem die Fahrer der U-Bahn und der Busse der BVG seien in der Regel sehr freundlich. Regelmäßige Nutzer würden sogar zum Teil persönlich begrüßt.

Viel größer ist dagegen der Ärger über Stationen ohne Aufzug. Der Ausbau geht vielen, die darauf angewiesen sind, zu langsam voran. Die BVG will ihre 173 U-Bahnhöfe bis 2020 barrierefrei ausgebaut haben. Derzeit haben 104 Stationen einen oder mehrere Aufzüge; acht weitere haben Rampen. Bei der S-Bahn sind von 166 Bahnhöfen im Netz 156 barrierefrei; zehn davon über Rampen.

In mehreren S-Bahnhöfen wird der Einbau noch länger als bei der BVG auf sich warten lassen – dort, wo andere Großprojekte geplant oder in Bau sind. So fehlen im stark frequentierten Umsteigebahnhof Warschauer Straße bis heute Aufzüge, weil der Neubau des Empfangsgebäudes noch nicht abgeschlossen ist. Geplant ist die Inbetriebnahme der Aufzüge für dieses Jahr. In Marienfelde sowie an der Yorckstraße (S2/S25) wird es voraussichtlich erst 2022 so weit sein; ebenso in Schöneweide und Hirschgarten. Und erst 2023 soll der Bahnhof Nöldnerplatz an der Reihe sein.

Keine Blindenschrift an Haltestellen

Eine Berliner „Spezialität“ sind zudem unterschiedliche Höhen bei den Bahnsteigen der S-Bahn. Üblich sind 96 Zentimeter. Die DDR hatte dann 103 Zentimeter hohe Bahnsteige bauen lassen, was nach der Wende für das gesamte Netz vorgesehen war. Das Bundesverkehrsministerium verlangte dann aber die Rückkehr zur Normhöhe – und so gibt es bis heute auf zahlreichen Bahnsteigen Stolperfallen beim Ein- und Aussteigen.

Hamburg ist eine der wenigen Städte, die Haltestellen- und Fahrplaninformation in Blindenschrift anbietet. In Berlin setze man dagegen auf digitale Technik, heißt es bei der BVG und beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Nach Angaben von BVG-Sprecherin Petra Reetz nutzen Sehbehinderte an Haltestellen den am Fahrplan angebrachten Code, der sich immer an der gleichen Stelle befinde, über den man in Echtzeit auf dem Handy die Fahrplandaten erhält. Zudem beherrschten immer weniger Menschen die Blindenschrift.

Am Wochenende kein Begleitservice mehr

Reduziert hat der VBB seinen Begleitservice für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste. An Wochenenden gibt es derzeit keine Begleitungen mehr; werktags ist der Service auf die Zeit von 7 Uhr bis 18 Uhr beschränkt. Viele von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Verträge seien ausgelaufen und könnten nicht verlängert werden, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Neue Ausbildungen liefen aber bereits.

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