• Bauarbeiten im Nord-Süd-Tunnel: Ab Freitag ist Schicht im Schacht bei der Berliner S-Bahn

Bauarbeiten im Nord-Süd-Tunnel : Ab Freitag ist Schicht im Schacht bei der Berliner S-Bahn

Schwere Zeiten für S-Bahn-Fahrgäste: Der Nord-Süd-Tunnel bleibt ab Freitag fast vier Monate lang geschlossen. Dafür lässt eine Ausweichstrecke seit Jahren auf sich warten: die so genannte S 21. Für das Projekt sind sogar neue Planungen erforderlich.

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Tunnelschrauber. Auf der unterirdischen Nord-Süd-Strecke ist nach fast 25 Jahren ein Schienentausch nötig.
Tunnelschrauber. Auf der unterirdischen Nord-Süd-Strecke ist nach fast 25 Jahren ein Schienentausch nötig.Foto: Doris Spiekerman-Klaas

Nur noch Tage. Dann ist es so weit: Von Freitagabend werden voraussichtlich bis zum 4. Mai keine S-Bahnen zwischen Gesundbrunnen und Yorckstraße fahren. Der Nord-Süd-Tunnel und die anschließenden Abschnitte im Freien müssen instand gesetzt werden. Auf eine zweite Nord-Süd-Verbindung, auf die sie ausweichen könnten, müssen die Fahrgäste noch Jahre warten. Unzureichende Vorleistungen haben den Bau der S 21 genannten Verbindung vom Nordring bis zum Hauptbahnhof verzögert. Zur Zeit werden neue Planunterlagen erstellt, teilte die Bahn mit.

Die fast viermonatige Sperrzeit ist nach Ansicht der Bahn „eher knapp bemessen.“ Die vorgesehenen Arbeiten sind umfangreich: Zwischen Gesundbrunnen und Nordbahnhof werden Gleise auf vier Kilometer Länge erneuert. In den Tunnelstationen Nordbahnhof und Potsdamer Platz tauscht die Bahn insgesamt 19 Weichen aus. Auch Stromschienen, die Tunnelbeleuchtung und Starkstromkabel werden ersetzt. Zudem baut die Bahn vier zusätzliche Schienenschmierapparate ein, um das Quietschen der Züge in Kurven zu verringern. Neun alte Anlagen werden ersetzt.

Funkenschlag im Nord-Süd-Tunnel
Arbeit unter Tage: Was auf den ersten Blick an Bergbau erinnert, ist in Wahrheit der Nord-Süd-Tunnel, eine der wichtigsten Verkehrsadern Berlins.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Doris Spiekermann-Klaas
08.12.2014 13:27Arbeit unter Tage: Was auf den ersten Blick an Bergbau erinnert, ist in Wahrheit der Nord-Süd-Tunnel, eine der wichtigsten...

Außerdem installiert die Bahn ein neues Signalsystem, das die Technik aus der Anfangszeit der elektrisch betriebenen S-Bahn ersetzt. Das neue System, ZBS genannt (Zugbeeinflussungssystem S-Bahn-Berlin) muss zudem mehrere Wochen ausgiebig getestet werden – noch ohne Fahrgäste.

Die Bahn nutzt die Sperrzeit auch, um Fugen zu dichten, Treppenstufen und Stützmauern zu sanieren und neue Farben anzubringen. Zudem erhalten die Tunnelstationen eine Technik für die Smartphone-Nutzung. Insgesamt sind für die Arbeiten Kosten in Höhe von zwölf Millionen Euro veranschlagt.

Berlin - du und deine S-Bahn
Platte Schnauze: So sieht Berlins neue S-Bahn aus. Vorgestellt wurde die Designstudie im Dezember 2015.Weitere Bilder anzeigen
1 von 118Simulation: S-Bahn
22.12.2015 15:35Platte Schnauze: So sieht Berlins neue S-Bahn aus. Vorgestellt wurde die Designstudie im Dezember 2015.

Der zwischen 1936 und 1939 gebaute rund sechs Kilometer lange Tunnel war 1991/92 erstmals nach dem Krieg instand gesetzt worden. Er war damals sogar fast ein Jahr gesperrt. Im Herbst 2013 hatte die Bahn – in einer zweiwöchigen Betriebseinstellung – dann Schienen ausgetauscht.

Hier geht's lang. Die bestehende und geplante S-Bahnstrecke.
Hier geht's lang. Die bestehende und geplante S-Bahnstrecke.Grafik: Fabian Bartel

Fahrgäste sollen auf U-Bahnen ausweichen

Fahrgäste können im Nord-Süd-Verkehr auf die U-Bahn-Linien U 6 und U 8 ausweichen. Allerdings baut auch die BVG dort. Zudem setzt die Bahn ihre Ersatzbusse zwischen Yorckstraße und Friedrichstraße sowie von der Friedrichstraße über Gesundbrunnen bis Humboldthain ein – es muss also umgestiegen werden. Außerdem verstärkt die S-Bahn auf dem westlichen und nördlichen Ring das Angebot durch zusätzliche Fahrten. Teilweise erhalten die Linien dabei neue Nummern.

Während die Planung hier seit Monaten steht, ist beim parallelen Neubau der S 21 das weitere Vorgehen immer noch nicht entschieden. Die Station am Hauptbahnhof kann nicht wie vorgesehen gebaut werden. Wie berichtet, reichen die Vorleistungen unter der Humboldthafenbrücke nicht aus, um dort einen Tunnel bauen zu können. Zudem müsse „auch der inhomogene und dadurch schwierige Berliner Baugrund sowie die dadurch eintretenden Setzungen bei der vorhandenen Bebauung betrachtet und berücksichtigt werden“, teilte die Bahn jetzt mit.

So sieht das neue Viertel am Hauptbahnhof Berlin aus
Kurz vor der Ankunft in Berlin. Links die neuen Gebäude am Ex-Güterbahnhof. Oben rechts rollen die ICE auf der Betonrampe hinab zum Hauptbahnhof.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: EM2N Architekten/Zürich
10.12.2015 14:27Kurz vor der Ankunft in Berlin. Links die neuen Gebäude am Ex-Güterbahnhof. Oben rechts rollen die ICE auf der Betonrampe hinab...

Vermutlich muss ein provisorischer Bahnhof her

Sie will nun vor der späteren Station einen provisorischen Bahnsteig bauen – mit Zugängen in den Hauptbahnhof und zur neuen Straßenbahnhaltestelle auf der Invalidenstraße. Von Gesundbrunnen – oder Waidmannslust – sollen Vier-Wagen-Züge, für längere gäbe es keinen Platz, dann hier hin und her „pendeln“. Dies sei eine „gangbare Variante“, teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Die Züge könnten nach Angaben der Bahn vielleicht 2018 fahren. Wann es auch für die Fahrgäste aus dem Westen der Stadt mit der S-Bahn auf dem Ring einen direkten Anschluss zum Hauptbahnhof geben wird, ist dagegen weiter ungewiss. Auch für die geplante Verlängerung der Strecke vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz gibt es keinen Termin – und derzeit auch kein Geld.

Bauarbeiten bei der U 2

Auch bei der BVG wird gebaut. Zu einer Doppelsperrung kommt es von Mitte April bis Anfang Mai bei der U 2. Der Verkehr wird zwischen Potsdamer Platz/Gleisdreieck und Wittenbergplatz bis zum 20. November eingestellt.

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