Bauarbeiten im Schneckentempo : Die unendliche Geschichte der Treppe vom Bahnhof Zoo

Die BVG versucht seit einem Jahr, ein paar Stufen am Bahnhof Zoo zu erneuern – vergeblich. Und selbst wenn die Treppe dann endlich einmal fertig ist, wird sie nicht lang stehen.

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Seit einem halben Jahr ist diese Treppe am Bahnhof Zoo unbenutzbar.
Seit einem halben Jahr ist diese Treppe am Bahnhof Zoo unbenutzbar.Foto: Jörn Hasselmann

Die BVG nummeriert nicht nur ihre Busse und Bahnen. Auch die Treppen sind nummeriert. Richtig müsste es eigentlich heißen:  Die Treppenhäuser. Denn die Treppe „II/5“ am Bahnhof Zoo ist weg, und sie ist seit mehr als einem Jahr weg; es blieb nicht mehr als nur ein leerer Schacht.

Manche Fahrgäste können darüber lachen: „Bitte achten Sie auf Treppendiebe“, amüsiert sich ein Sebastian über Twitter. Die meisten anderen finden die Situation gar nicht mehr lustig. „Das schaffen fünf Arbeitslose doch in einer Woche“, erregt sich eine ältere Frau am Sonntagmittag. Eine andere schimpft über den Umweg, den sie laufen muss seit einem Jahr. Sie weist auf das Plastikschild am Bauzaun: „Wegen Bauarbeiten ist dieser Zugang geschlossen“, heißt es dort. „Lüge“, schimpft die Frau, „hier war seit Monaten kein Bauarbeiter zu sehen.“ Dies bestätigt der Mann, der auf dem Vorplatz, direkt an der Baustellenbretterwand heiße Maronen verkauft.

BVG wollte neue Treppe am Hardenbergplatz bauen

Im Herbst 2012 hatte die BVG angekündigt, vom Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Zoo eine neue Treppe auf den Bahnhofsvorplatz am Hardenbergplatz zu bauen. Wohlgemerkt: Eine Treppe mit Stufen aus Stein, keine Rolltreppe. Innerhalb „weniger Wochen“, so hieß es, sollte das erledigt sein.

Im März berichtete der Tagesspiegel in wenigen Zeilen, dass das nicht klappte. Angeblich, so die BVG, sei die Treppenanlage „marode“ und müsse komplett neu gebaut werden. Eine dann gebaute Behelfskonstruktion musste nach Bedenken der Technischen Aufsichtsbehörde nachgebessert werden, weshalb der Zugang weiter verschlossen blieb. „In den nächsten Tagen“ solle der Behelf „freigegeben“ werden, zitierten wir am 30. März eine BVG-Sprecherin. Tatsächlich war die Treppe „fünf Tage im Sommer geöffnet“, sagt diese Sprecherin nun auf Nachfrage. Nachdem mehrere Fahrgäste – auf der von der Aufsichtsbehörde abgenommenen – Treppe ausrutschten, verschwand das Sommerprovisorium wieder. Der für die Sicherheit zuständige Betriebsleiter der U-Bahn verfügte den Ausbau. Nun ist Dezember.

Anfang 2014 soll eine neue provisorische Treppe stehen

Staub, leere Schnapsflaschen und Pappbecher sammeln sich unten im Schacht. Doch es soll alles gut werden, sagt Petra Reetz von der BVG. „Im ersten Quartal“ soll ein neues Provisorium fertig sein, dieses Mal mit stählernen Stufen, nicht hölzernen. Die Ausschreibung sei im Oktober erfolgt, versichert Reetz.

Die BVG kann, wenn sie will, noch viel langsamer. Unvergessen die Panne am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke in Schöneberg. Dieser war am 2. Mai 2008 eröffnet worden, natürlich sollte der Bus direkt auf der Brücke vor den Treppen zu den Bahnsteigen halten. Tatsächlich hielt der erste Bus auf der Nordseite am 18. Juni 2013. Ein knappes Jahr Verzögerung ging auf das Konto der S-Bahn, weil das nördliche Treppenhaus nicht fertig wurde. Und dann stritt sich die BVG geschlagene vier Jahre mit der Bahn und der Baufirma. Es ging darum, wer die „Instandsetzung einer Dehnungsfuge“ bezahlt. Dem Vernehmen nach gab die BVG den Streit am Ende einfach auf, zugunsten der Fahrgäste. Mittlerweile hatte sich das Parlament mehrfach mit der Posse befasst. Die Fahrgäste mussten so lange um die halbe Kreuzung zur S-Bahn laufen.

2017 soll der komplette Bahnhof Zoo saniert werden

Die Stahltreppe am Bahnhof Zoo soll nur etwa drei Jahre halten. Danach soll der U-Bahnhof Zoologischer Garten vollständig saniert werden. Schöner, größer, weiter soll die Station werden, immerhin eine der größten im Netz. Das klingt wie eine Drohung, soll aber ein Versprechen sein.


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