Bauchtanz aus Reinickendorf : Zadiel Sasmaz lässt die Frauen tanzen - und Männer

Als Kind in Reinickendorf klaute Zadiel Sasmaz die Tanzvideos seiner Mutter. Heute unterrichtet er in seinem Studio in Moabit orientalischen Tanz - und bereist als Bauchtänzer Bühnen von Schottland bis Japan.

Jana Scholz
Zadiel Sasmaz unterrichtet in seinem Bauchtanz-Studio in Moabit Frauen genauso wie Männer.
Zadiel Sasmaz unterrichtet in seinem Bauchtanz-Studio in Moabit Frauen genauso wie Männer.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Es ist, als würden seine Hüften ein Eigenleben führen. Wenn Zadiel Sasmaz im schillernden Kostüm auf der Bühne steht, ist er sich aller Blicke sicher. Die Bewegungen des 29-jährigen Bauchtänzers sind kraftvoll, präzise – und erotisch. „Wer kein Feuer in sich selbst trägt, kann es auch bei anderen nicht entfachen“, sagt der gebürtige Reinickendorfer. „Auf der Bühne versuche ich das Publikum mit meinem Feuer anzustecken.“

Sasmaz tritt auf der ganzen Welt auf, tanzt in Musikvideos und gibt Unterricht im eigenen Berliner Tanzstudio. Der professionelle Bauchtänzer hat seine Leidenschaft für orientalischen Tanz schon früh entdeckt. Mit sieben Jahren schnappte er sich die VHS-Kassetten mit Shows von Bauchtänzerinnen, die eigentlich ein Geschenk seines Vaters für die Mutter waren, und tanzte sie nach. „Mich fasziniert die orientalische Musik“, sagt er. „Wenn auf der Darbuka getrommelt wird, geht mir das unter die Haut.“

Bauchtanz für Frauen - und für Männer

Die Musik, zu der er tanzt, wird als „Orientalische Klassik“ bezeichnet, und den Tanz dazu nennt man hierzulande auch das „Ballett des Ostens“. Sasmaz kennt alle Formen und Stile des orientalischen Tanzes, wirbelt den Säbel spielerisch durch die Luft, lässt Zimbeln schellen und bunte Schleier durch die Luft fliegen. Die Bewegungen sind weich und fließend, werden aber immer wieder durch zackige Akzente gebrochen. „Anfänger müssen erst trainieren, die einzelnen Körperteile zu isolieren. Aber grundsätzlich kann das jeder lernen“, sagt Sasmaz.

In Moabit gibt der Autodidakt in seinem Studio „Zadiraks“ Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene. Viele Frauen besuchen seine Kurse, um die als weiblich geltenden Bewegungen zu erlernen. Dass so viele Frauen ausgerechnet bei einem Mann weibliche Erotik erlernen wollen, darüber witzelt Sasmaz gerne.

Doch auch Männer nehmen bei ihm Unterricht. Sie machen die gleichen Bewegungen wie Frauen, nur Haltung und Posen unterscheiden sich in Details. „Deutschland ist kein Tänzerland“, sagt Sasmaz. Deswegen wundere man sich hier, wenn ein Mann solche weichen Hüftbewegungen macht. Und viele denken automatisch, männliche Bauchtänzer müssten schwul sein. „Dabei sieht man in Ägypten oder der Türkei alle Männer so tanzen.“

Kreisende Hüften als Geburtsvorbereitung

Bauchtanz, sagt der 29-Jährige, sei wahrscheinlich der älteste Tanz der Erde. Er sei vor mehreren tausend Jahren in Ägypten, als Geburtsvorbereitung für Schwangere entstanden. Die kreisenden Bewegungen der Hüften waren von Hebammen angeleitet, sie sollten die Muskulatur lockern und die Wirbelsäule stärken. Die heilsame Kraft des orientalischen Tanzes hat Sasmaz auch am eigenen Leib erfahren. Als Kind habe er Asthma gehabt, mit dem Tanztraining sei das aber verschwunden. „Mein Arzt erklärte, das Tanzen habe meine Lungen gestärkt.“

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Viermal im Jahr organisiert er das Festival „Orientalhane“. Zusammen mit seinem Tanzensemble tritt er in aufregenden Kostümen auf, es gibt Speis und Trank, einen Bazar und Workshops. Zadiel Sasmaz möchte sein Publikum berühren und unterhalten. Oft werde er als Sohn türkischer Einwanderer mit dem Islam in Verbindung gebracht. Er will die orientalische Kultur aber auch fernab von der Glaubensthematik präsentieren. „Ich mache Imagearbeit für das Morgenland“, sagt er und schmunzelt. „Ich möchte eine positive Seite des Orients zeigen, die die Menschen erfreut und die erotisch ist.“

Im Musikvideo „Really Need Someone“ der deutsch- schwedischen Band „1000 Gramm“ sieht man ihn rund vier Minuten performen, mit nacktem Oberkörper und knallrotem, paillettenbesetztem Hosenrock. „Durch Popstars wie Shakira oder Beyoncé gab es vor einigen Jahren einen weltweiten Hype um diesen Tanz“, sagt er. In Berlin werde er aber seit etwa 20 Jahren immer beliebter – nur wenn ein Mann ihn tanzt, ist das eben doch noch ein Hingucker.

Leidenschaft für Musik liegt in der Familie

Sasmaz ist viel im Ausland unterwegs, dieses Jahr tanzte er schon bei Festivals in Schottland, Japan und Italien. „Meine Eltern besuchen alle meine Shows in Berlin. Sie sind immer als Erste da und wollen Logenplätze“, sagt er und grinst. Die Mutter begleitet ihn häufig zu Auftritten im Ausland.

In Reinickendorf wuchs Sasmaz als Sohn eines Friseurs auf. Die Leidenschaft für die Bühne liegt aber vielleicht doch in der Familie. Sein Cousin Atilla Tas ist in der Türkei ein bekannter Sänger. Und auch Sasmaz’ Mutter hatte immer den Traum, Sängerin zu werden.

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Sasmaz möchte auf der Bühne Emotionen transportieren. Und sein Tanz funktioniert nicht nur über die Bewegungen des Körpers, sondern auch über die Mimik, seine Blicke. Und dann verrät er zum Abschluss noch etwas. „Ich berühre die Zuschauer an einer Stelle, an der sie sich ertappt fühlen“, sagt er. „Wenn ein Mann Haut zeigt, berührt das die Menschen.“

Tanzstudio „Zadiraks“ in der Turmstraße 57/58, Moabit, Infos zu Shows und Unterricht unter www.zadiel.de

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