Bauprojekte : Eine Oper steckt im Sumpf

11.12.2012 12:53 UhrVon Ronja Spiesser
Staatsoper in Berlin Foto: dpa
Staatsoper in Berlin - Foto: dpa

Noch eine Problembaustelle: Die Sanierung der Bühne Unter den Linden droht den Kosten- und Terminplan zu sprengen. Auf der Baustelle gab es einige Überraschungen: Unter anderem wurde ein Tresorraum entdeckt.

Der Vorhang hebt sich nur langsam im Sanierungsprojekt Staatsoper Unter den Linden. Der Eröffnungstermin wurde nach mehrmaligen Verschiebungen inzwischen um zwei Jahre, auf Herbst 2015 verlegt, doch ob dieser Termin eingehalten werden kann, ist fraglich. In einer Vorlage der Senatsbauverwaltung, die der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, wird die geplante Eröffnung im Jahr 2014 als „sehr ehrgeizig“ bezeichnet. Dabei verweist das Amt auf eine „Vielzahl der zu lösenden bautechnischen Probleme“.

Das vorhandene Budget von 242 Millionen Euro reicht wahrscheinlich nicht aus.

Denn auf der Baustelle gibt es unvorhergesehene Komplikationen. Der neue Projektsteuerer, die Firma Stein-Projektmanagement (SPM), prüft derzeit den aktuellen Zahlenstand. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hat in seinem soeben vorgelegten Investitionsplan bis 2016 vorsorglich 38 Millionen Euro mehr für die Baustelle eingestellt.

Seit September 2010 wird das Opernhaus saniert. Mittlerweile ist das Innere völlig entkernt, die veraltete Bühnentechnik verschrottet, die Publikumssitzreihen sind entsorgt. Ursprünglich war der Bau des Gebäudes 1741 in nur zwei Jahren fertiggestellt worden. Mit der Sanierung 270 Jahre später tut man sich schwerer. Grund ist einerseits die Abdichtung des Operngebäudes gegen das Grundwasser, andererseits gestaltet sich das Projekt des Tunnels als Verbindung zwischen Magazin- und Hauptgebäude als schwierig. Für beides muss sehr tief in die Erde hineingebaut werden.

Ende August 2012 hatte die Abgeordnete Sabine Bangert (Grüne) eine Kleine Anfrage an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestellt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erläuterte in der Antwort, dass zur Sanierung auf der Sohle im Bühnenhaus eine Stahlwanne eingebracht werden müsse, die – um den Auftrieb im Grundwasser zu verhindern – in den Bestandsfundamenten zu verankern sei. „Die Auftriebssicherung der Stahlwanne gestaltet sich wesentlich aufwendiger als angenommen“, erklärte Lüscher.

Einige Überraschungen sind seit Baubeginn aufgetreten: 2011 wurde im Fundament unerwartet ein Tresorraum entdeckt, der vermutlich zu einer Bank gehörte, die dort einmal gestanden hatte. Im Frühjahr 2012 stießen Bauarbeiter in einer Tiefe von 17 Metern auf Holzpfeiler, die der Standfestigkeit des Gebäudes im sumpfigen Grund dienten.

Die Abdichtung gegen Grundwasser ist notwendig und unbestritten. Anders verhält es sich beim Tunnelprojekt. „Ich halte den Tunnel für Unsinn“, sagt der baupolitische Sprecher der Grünen-Fraktion Andreas Otto. Über die unterirdische Tunnelverbindung sollen künftig die Kulissen vom Magazingebäude zum Hauptgebäude transportiert werden. Wegen des Tunnelbaus ist es laut Otto zu den zeitlichen und finanziellen Unstimmigkeiten gekommen. Was so schlimm daran sei, die Kulissen oberirdisch zu transportieren, sei ihm nicht klar. Auch die in den Außendepots lagernden Kulissen in Potsdam müsse man schließlich über Straßen zur Bühne bringen. Der Linken-Abgeordnete Wolfgang Brauer hatte von Anfang an gefordert, den aufwendigen Tunnel wegzulassen. Angesichts der reduzierten Depotflächen im Magazingebäude handele es sich bei dem Tunnelbau um „eine

Geldverschwendung sondergleichen“, sagt er. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als Kulissendepot sei stark eingeschränkt worden: Seit November 2012 steht fest, dass Daniel Barenboim mit der Barenboim-Said-Akademie in die Räume einziehen wird: eine Musikakademie, die junge Araber und Israelis zum Musizieren zusammenbringt. Der geplante Tunnel soll direkt an der Sankt-Hedwigs-Kathedrale vorbeilaufen. Für das rund 250 Jahre alte Bauwerk bedeuten die durch den Bau verursachten Erschütterungen eine Gefährdung der Substanz. Eine Einsturzgefahr sieht Lüscher jedoch nicht. „Die umliegenden Gebäude werden mittels Erschütterungsmessungen sowie Rissmonitoren permanent überwacht“, hieß es.

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