Exklusiv : Philips-Hochhaus wird gläserner Hotelturm

24.01.2012 13:43 UhrVon Cay Dobberke
Mehr Licht. Im künftigen Hotel gegenüber der Urania sollen Glasfronten neue Ein- und Ausblicke ermöglichen. Simulation: promo
Mehr Licht. Im künftigen Hotel gegenüber der Urania sollen Glasfronten neue Ein- und Ausblicke ermöglichen. - Simulation: promo

Die spanische Kette Riu eröffnet 2013 ein Vier-Sterne-Haus gegenüber der Urania in Schöneberg. Die AG City vermisst öffentliche Architekturdebatten im Bezirk.

Das 73 Meter hohe weiße Philips-Hochhaus gegenüber der Urania in Schöneberg gehört zu den markanten Gebäuden in der City-West, allerdings steht es seit Jahren leer. Doch ab Juni 2013 sollen Touristen dort übernachten und eine „spektakuläre Aussicht“ genießen können. Das verspricht die spanische Hotelkette Riu, die nach Tagesspiegel-Informationen ein Vier-Sterne-Haus mit 357 Zimmern plant. Erste Entkernungsarbeiten haben soeben begonnen.

Rund 70 Millionen Euro will die Eigentümerfirma, die ebenfalls aus Spanien stammt und zur „Grupo Pryconsa“ gehört, investieren. Für die Gestaltung ist hauptsächlich das Berliner Architektenbüro GFB Alvarez & Schepers zuständig, das den ganzen Betonbau mit einer neuen Glasfassade umhüllen will.

Das Gebäude mit 18 Etagen war Anfang der 70er als Verwaltungsniederlassung des niederländischen Elektronikkonzerns Philips entstanden, später beherbergte es Büros der Deutschen Bahn. Der ursprüngliche Entwurf stammte vom Architekten Paul Schwebes, der in Berlin unter anderem auch an der Gestaltung der Hotels Kempinski und Intercontinental, des Bikinihauses am Zoo, des Telefunken-Hochhauses am Ernst-Reuter-Platz sowie am Wiederaufbau der Deutschlandhalle beteiligt war. Anders als die meisten seiner Bauten steht das Philips-Haus aber nicht unter Denkmalschutz, weil der Bauherr Schwebes Entwurf nur teilweise umsetzte.

An Hotels mangelt es rund um die Urania schon jetzt nicht, es gibt dort zum Beispiel das Vier-Sterne-Hotel „Best Western President Berlin“ mit 182 Zimmern und seit Ende 2009 ein Low-Budget-Haus der Kette „Motel One“ mit 409 Zimmern. Der künftige Hotelturm „Riu Plaza Berlin“ hat für die spanischen Betreiber jedoch eine besondere Bedeutung, denn es wird ihr erster deutscher Standort und eines ihrer ersten Stadthotels. Bisher betreibt die Riu-Gruppe aus Mallorca vor allem rund 100 typische Ferienhotels in 17 Ländern.

Zur Umgestaltung des Philips-Hauses gehört ein mehrstöckiger neuer Glasvorbau an der Martin-Luther-Straße für die Lobby sowie Kongress- und Veranstaltungssäle. Eine Glasfront erhält auch die bisher fensterlose Seite des Hochhauses an der Kleiststraße. Den seit längerem stillgelegten Panorama-Außenaufzug wollen die Planer nicht wieder in Betrieb nehmen; der Fahrstuhl sei unattraktiv und schon „während der Nutzung als Bürogebäude von den Mitarbeitern gemieden“ worden, heißt es. Der Conrad-Elektronikmarkt unter dem Hochhaus behält seine Räume und wird renoviert.

Architekt Manuel Alvarez arbeitet noch an Details der Neugestaltung und sagt, die jetzigen Entwürfe zeigten noch nicht den ganz endgültigen Zustand. Anders als die bisherige Fassade entspreche die künftige Glashülle im Übrigen auch den „aktuellen Anforderungen an Schallschutz und Wärmeschutz“.

Von einer „Verbesserung des Stadtbilds“ spricht die Tempelhof-Schöneberger Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne); insbesondere werde der bislang von einem leer stehenden Restaurant geprägte Eingangsbereich „bereinigt“ und aufgewertet. Doch es gibt nicht nur Lob: Die vorliegende Computersimulation „haut mich noch nicht vom Stuhl“, sagt Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City. Nicht nur in diesem Fall vermisst er eine öffentliche Architekturdebatte. Das Hochhaus sei stark prägend für die Gegend. Doch immer wieder würden in der westlichen Innenstadt städtebauliche Entscheidungen getroffen, ohne die Anrainer einzubeziehen.

Eine erste Vorstellung der Pläne durch das Bauamt und den damals zuständigen Stadtrat Bernd Krömer (CDU) gab es zwar schon 2010 im BVV-Stadtplanungsausschuss, doch scheint sich von damals bis heute kein Bezirkspolitiker sonderlich für das Thema zu interessieren. „Im Ausschuss wurde darüber gar nicht diskutiert“, erinnert sich Stadtplanungsamtsleiter Siegmund Kroll, die Bezirksverordneten hätten die Informationen lediglich zur Kenntnis genommen. Angesichts der „Stadtbildwirkung“ des Philips-Hochhauses findet der Amtsleiter dies durchaus „überraschend“.

Für den Hotelturm sind die Würfel jedenfalls gefallen. Die Baugenehmigung liegt seit längerem vor, und nur Verzögerungen auf der Investorenseite führten dazu, dass die Arbeiten erst jetzt beginnen.

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