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Bedrohtes Baudenkmal in Berlin-Charlottenburg : Bezirk lehnt Abriss der Kant-Garagen ab

Die Eigentümerfirma wollte die älteste deutsche Hochgarage durch Neubauten ersetzen – doch daraus wird wohl nichts, denn in der City West sind alle Politiker für die Rettung der Kant-Garagen. Ob die Eigentümer dagegen Widerspruch einlegen, ist noch unklar.

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Die Kant-Garagen in der Charlottenburger Kantstraße sind ein einzigartiges Baudenkmal der Weimarer Republik. Das weitgehend original erhaltene Gebäude ist bis heute in Betrieb. - Foto: Gerald Kleine WördemannWeitere Bilder anzeigen
Gerald Kleine Wördemann
26.10.2016 20:04Die Kant-Garagen in der Charlottenburger Kantstraße sind ein einzigartiges Baudenkmal der Weimarer Republik. Das weitgehend...

Der Abriss der denkmalgeschützten Kant-Garagen in der Kantstraße ist erst einmal vom Tisch: „Ich werde den Abrissantrag des Eigentümers ablehnen“, kündigte der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) jetzt an. Auch der BVV-Stadtplanungsausschuss stimmte für die Rettung der ältesten deutschen Hochgarage aus dem Jahr 1930.

Die Eigentümerfamilie Pepper – bekannt als Betreiber des Europa-Centers am Breitscheidplatz – hatte eine Einladung des Ausschusses ausgeschlagen und äußerte sich auch auf Nachfrage nicht.

Schulte will ein „deutliches Zeichen setzen“: Wer ein Baudenkmal besitze, müsse damit „verantwortungsvoll umgehen“, statt es verkommen zu lassen und dann den Abrisswunsch mit dem schlechten Zustand und der Unwirtschaftlichkeit zu begründen. Juniorchef Patrick Pepper von der Eigentümerfirma habe in einem Gespräch mit ihm behauptet, es sei einiges investiert worden. Aber: „Davon habe ich nichts gesehen.“

Für eine zukünftige Nutzung der Kant-Garagen gibt es schon Ideen

Der Ausschuss hat nun Gespräche über neue Nutzungen gefordert. Denkbar seien zum Beispiel ein Standort für Elektro-Mobilität, ein Fahrradparkhaus oder ein Automobilmuseum.

Sollte die Firma Pepper Widerspruch gegen die Abrissverweigerung einlegen, müsste darüber die Obere Denkmalschutzbehörde entscheiden, die zur Stadtentwicklungsverwaltung gehört. Laut einer Sprecherin steht noch nicht fest, wie eine solche Überprüfung enden würde. Aber schon jetzt sei das Landesdenkmalamt in Kontakt mit dem Bezirk.

Klar positioniert hat sich der Landesdenkmalrat, der ein beratendes Gremium aus Fachleuten ist. Bereits 2010 wurde empfohlen, „alles daran zu setzen“, das „einzigartige Verkehrsdenkmal“ zu erhalten. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, bekräftigte Architektin Petra Kahlfeldt, die dem Rat angehört.

Auch Staatssekretär Gothe kämpft „privat“ für die Rettung

Außerdem hat sich eine Initiative gegen den Abriss in einem Offenen Brief an die Eigentümer, das Bezirksamt und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) gewandt. Zu den mehr als 100 Unterzeichnern gehören Klaus Staeck von der Akademie der Künste, der Kunsthistoriker Adrian von Buttlar, die Genossenschaft des denkmalgeschützten Studentendorfs Schlachtensee, der Bund Deutscher Architekten, die Architektenkammer Berlin, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz – und Berlins Stadtentwicklungs-Staatssekretär Ephraim Gothe.

Er habe „als Privatperson“ unterschrieben, „das aber mit starker Überzeugung“, sagt Gothe.

Derzeit gibt es in der Garage eine Tankstelle, Kfz-Werkstätten und vermietete Dauerparkplätze. Interesse an neuen Projekten hatte zuletzt Rüdiger Lange vom Oldtimer-Zentrum „Classic Remise“ in Moabit signalisiert. Er fände „eine Nutzung mit alten Automobilen sehr reizvoll“.

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