BER-Chef Hartmut Mehdorn im Fernseh-Talk : „Wir haben alles im Griff“

In einem Fernsehinterview räumt Hartmut Mehdorn zwar Probleme beim BER ein, wehrt sich aber gegen die Kritik an seinem Management. Der Flughafenchef verteidigt die Kostensteigerung und lobt die angebliche Transparenz am BER.

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Hartmut Mehdorn kämpft am BER an vielen Fronten gleichzeitig.
Hartmut Mehdorn kämpft am BER an vielen Fronten gleichzeitig.Foto: dpa

Akten findet man auf der Straße, die Entrauchungsanlage funktioniert nicht, einer ihrer Planer wurde wegen Korruptionsverdacht gefeuert, der erste musste gehen, weil die Anlage nach Ansicht der Flughafengesellschaft falsch konstruiert ist und nun stellt sich auch noch heraus, dass er kein Ingenieur, sondern nur ein technischer Zeichner ist. Aber Flughafenchef Hartmut Mehdorn sagt trotzdem: „Wir haben alles im Griff.“

Im Interview mit dem Nachrichtensender N-TV wollte sich Mehdorn am Mittag nicht weiter zu dem angeblichen Ingenieur äußern, bestätigte aber erneut, dass am BER „nicht alles so gebaut ist, wie es geplant war.“ Zum Teil habe es „eine skurrile Arbeitsteilung“ mit unterschiedlichsten Firmen gegeben. Dies hätte ein hartes Generalmanagement erfordert, das es aber nicht immer gegeben habe. Und sicher gebe es auch einen „Strauß von Dingen“, die man besser hätte machen können.

Jetzt müsse man in einer „übersichtlichen Zeit“ den Flughafen fertig bauen. Einen Eröffnungstermin könne er aber nicht „herbeischwätzen.“ Keine Sorgen mache er sich wegen der 2016 ablaufenden Baugenehmigung für den Terminal. Eine neue mit dann womöglich strengeren Auflagen sei nicht erforderlich, weil der Abnahmeprozess für den Bau bereits laufe.

Mehdorn verteidigt Kostensteigerung

Zu Forderungen, den Bau in Schönefeld einzustellen und woanders mit dem Planen eines neuen Flughafens zu beginnen, sagte Mehdorn:, „Wer das verlangt, beweist nur seine Inkompetenz.“
Richtig sei, dass vieles in der Vergangenheit nicht ordentlich kommuniziert worden sei. Großprojekte könne man heute nur verwirklichen, wenn man auch Frieden mit den Nachbarn, hier den Anliegern des Flughafens, schaffe.

Mehdorn verteidigte auch erneut die Kostensteigerung beim Bauen. 1,1 Milliarden Euro sind nach seiner Rechnung zusätzlich erforderlich; die Gesamtkosten steigen damit auf 5,4 Milliarden Euro. Der Flughafen sei inzwischen aber auch fast doppelt so groß wie geplant und damit auch etwa doppelt so teuer. Über die Mehrkosten freue sich natürlich keiner.

Dabei sei alles transparent. Es gebe „nichts Gläserneres“ als den Flughafen. Er werde von sechs Sonderausschüssen von Parlamenten, drei Rechnungshöfen und der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International begleitet. Dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein weiteres Aufsichtsorgan im Auftrag des Aufsichtsrats verlangt hat, wolle er nicht kommentieren, sagte Mehdorn.

Zu seinen Aufgaben sagte Mehdorn, er sei gekommen, um den Flughafen fertig zu stellen. Nicht verantwortlich sei er für die Fehler aus der Vergangenheit. Aber er wolle jetzt auch „keine Ahnenforschung“ betreiben.


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