BER-Debakel : Der Airport, ein Witz

Ausländische Zeitungen mokieren sich über die erneute Verschiebung der BER-Eröffnung und im Internet kursieren zahlreiche Wortwitze. Der Airport ist zur Lachnummer geworden.

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Wer den Schaden hat ... Sprüche zum BER gibt es nicht nur im Internet zuhauf.
Wer den Schaden hat ... Sprüche zum BER gibt es nicht nur im Internet zuhauf.Foto: dpa

„Wir haben gehört, Berlin braucht einen Flughafen.“ Das steht in großen Buchstaben auf dem Poster an der Fassade des alten Zoo-Palastes. So mancher muss grinsen beim Blick auf das Plakat, mit dem ein Konzern ein Kosmetikprodukt für Männer bewirbt – wenigstens damit könne man jetzt schon abheben. Und im Internet kursiert bereits der Gag: „Ich versteh’ nur Flughafen“.

Vielen ist das Lachen beim Thema BER schon lange vergangen, andere behelfen sich mit Galgenhumor. Über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter macht der Satz „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen“ die Runde. Dieser spielt auf die berühmte Aussage von DDR-Parteichef Walter Ulbricht zum Mauerbau an. Auch eine Postkarte wurde damit bedruckt.

BER-Eröffnungstermin erneut geplatzt
Die Lage am BER ist ernst. Flughafen-Technikchef Horst Amman fand am Dienstag im bei „hr-iNFO“ deutliche Worte für das Dilemma: „Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig. Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren.". Amann hat nach Angaben von Brandenburgs Landesregierung erstmals am vergangenen Freitag darüber informiert, dass der geplante Termin 27. Oktober für den neuen Hauptstadtflughafen „real nicht zu halten“ sei. Medienberichten zufolge hatte Amann sogar schon am 18. Dezember auf eine weitere Verschiebung hingewiesen.Weitere Bilder anzeigen
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08.01.2013 10:29Die Lage am BER ist ernst. Flughafen-Technikchef Horst Amman fand am Dienstag im bei „hr-iNFO“ deutliche Worte für das Dilemma:...

Im Ausland ist der BER ebenfalls Thema. „Neuer Berliner Flughafen zum vierten Mal verschoben“, titelte der britische Telegraph – „die jüngste Verspätung bei einem Projekt, das sich zur Peinlichkeit für ein Land gewandelt hat, das sich sonst für seine Effizienz und Pünktlichkeit schmückt“. Bei all dem Ärger hat der Twitter-Nutzer „Siegstyle“ dennoch einen gut gemeinten Rat für Wowereit parat: „Tegel schließen und Berlin zur ersten flughafenfreien Hauptstadt der Welt erklären, um das Klima zu retten.“ Auch für einen möglichen Film gibt es schon Titelvorschläge: „Bau Langsam 4.0“, in Anlehnung an den Actionfilm „Stirb Langsam“ mit Bruce Willis.

Video-Umfrage zum BER-Debakel:

Der Kabarettist Thomas Pigor hat sogar ein Lied zum BER erdichtet, das sich im Internet großer Beliebtheit erfreut. „In den Brandenburger Sand setzen wir ganz entspannt den Airport Willy Brandt.“ Pigor rät zu ein bisschen Verständnis: Es sei doch das Normalste der Welt, wenn man mal einen Termin nicht einhalte.

Zur Eröffnungsfeier des Flughafens sind auf Facebook schon knapp 73 000 Nutzer angemeldet. Ein in den Niederlanden lebender Deutscher hat die Seite der Veranstaltung aus Scherz ins Leben gerufen und großzügig kalkuliert: Die Einweihung soll am 1. April 2026 stattfinden.

Derweil erinnert sich Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker daran, wie bei der vorletzten Absage mitten in der Eurokrise Vertreter anderer EU-Länder erleichtert aufatmeten, weil den deutschen Ingenieuren auch mal was nicht gelungen sei. Die neueste Absage werde dem guten Image der Stadt im Ausland nicht zusetzen, ist Kieker überzeugt, und das meint er ernst: „Touristen besuchen eine Stadt und nicht einen Flughafen.“

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