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BER-Kritiker Faulenbach : Ein Flughafenplaner schert aus

15.12.2012 19:54 Uhrvon
„Gigantisches Desaster.“ Der BER, sagt Dieter Faulenbach da Costa, wird schon bald zu klein sein. Aber für eine Erweiterung gibt es keinen Platz. Deshalb hätte er nie in Schönefeld gebaut werden dürfen. Foto: dpaBild vergrößern
„Gigantisches Desaster.“ Der BER, sagt Dieter Faulenbach da Costa, wird schon bald zu klein sein. Aber für eine Erweiterung gibt es keinen Platz. Deshalb hätte er nie in Schönefeld... - Foto: dpa

Es geht ihm nicht um den Lärm. Auch nicht um Nachtruhe und Flugrouten. Trotzdem kritisiert niemand den neuen Berliner Flughafen so massiv wie der Stadtplaner Faulenbach da Costa. Seine These: Der BER hat ausgedient, bevor er eröffnen wird. Manche halten ihn deshalb für einen Spinner. Aber er hat Argumente.

An einem Montag im Dezember sitzt der Mann, um den es hier geht, in seiner Stammkneipe im Zentrum von Offenbach, draußen fällt Schnee, drinnen bescheidenes Ambiente, bodenständiges Publikum. Er trägt einen großen Hut zum Rollkragenpulli, und er hat den Zusatz „da Costa“ im Nachnamen behalten, obwohl die Ehe mit seiner Frau scheiterte. Das ist alles, was er sich an Eitelkeiten gönnt. Er trinkt ein Glas Rotwein, bestellt Bauernfrühstück „mit Gurke“. Dann sagt er: „Ich will hier einmal klarstellen: Ich bin kein Gegner des neuen Berliner Flughafens, ich kritisiere nur schlechte Planung und zeige die Konsequenzen auf.“

Das allerdings ist höfliches Understatement.

Denn dieser Mann, Dieter Faulenbach da Costa, 68, ist den Flughafenbetreibern lange schon lästig, eine Art „ewiger Querulant“, wie es ein Beteiligter ausdrückt. Warum das aus Sicht des BER so ist, wird hier zu erzählen sein. Der studierte Stadtplaner und Diplom-Ingenieur kritisiert nicht Details, nein, er stellt das ganze Projekt infrage. Seine These lautet zugespitzt: „Vergesst den Standort, baut woanders!“

Was man weiß über diesen Großflughafen, ist sein Mutieren zur öffentlichen Lachnummer durch das ständige Verschieben von Eröffnungsterminen. Er ist ein riesiges Ärgernis, ein Monstrum ungeklärter Fragen. Deshalb stehen nicht nur Flughafenchef Rainer Schwarz, sondern Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck unter Druck. Und jetzt kommt dieser Mann daher, ein Aufschneider, wie manche meinen, es aber nicht öffentlich sagen wollen, und wirft die jahrelangen Planungen der Flughafengesellschaft über den Haufen. Wie kann er sich das erlauben?

Um das zu verstehen, muss man diesen Dieter Faulenbach ein wenig kennenlernen. In den Verwinkelungen seines Lebens gibt es immer wieder Momente, in denen er beschloss, sich neu zu erfinden. Eine dieser Verwandlungen führte ihn in die Flughafenwirtschaft und machte ihn zum Experten.

Im Sommer 1985 steht da Costa schon in der Mitte seines Lebens. Er ist 41 Jahre alt, er hat lange Zeit in der Politik gearbeitet, zuletzt ein paar Monate im Wahlkampf für Volker Hauff (SPD), ehemaliger Bundesminister und späterer Frankfurter Oberbürgermeister. Jetzt sucht er eine neue Herausforderung. Ein Freund erzählt ihm, dass eine Tochterfirma des Frankfurter Flughafens einen Stadtplaner für einen Auslandseinsatz in Karachi sucht. Das Bauplanungsunternehmen akquiriert Aufträge im Ausland.

Faulenbach da Costa, gerade frisch verheiratet, hat keine Ahnung von Flughäfen, und sein zukünftiger Arbeitgeber sagt im Vorstellungsgespräch, er habe leider nur 72 Stunden, um sich zu entscheiden. Er nimmt an und ist 27 Jahre später nicht nur in über 50 Ländern an Flughafenplanungen beteiligt gewesen, sondern gehört zu den wenigen unabhängigen Fachleuten in Deutschland.

Würde er recht behalten mit seiner These, hätte der BER im Prinzip ausgedient, bevor er eröffnet hat. Faulenbachs Szenario ist ein Katastrophenszenario. Vielleicht kann es allein deshalb nicht wahr sein, weil es niemals wahr sein darf.

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